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Catherine Lee

Galerie Karsten Greve Köln

Being Here / Being There
6. Juni - 23. August 2014
 
Werke
 
Die Galerie Karsten Greve Köln freut sich, Werke der international renommierten US-amerikanischen Künstlerin Catherine Lee zu präsentieren. Das Werk der 1950 in Pampa, Texas, geborenen Lee spiegelt ihre Auseinandersetzung mit den Grundideen abstrakter Formgebung wider. Es besticht durch die Vielfalt der verwendeten Materialien, umfasst es sowohl die monumentale Bronzeskulptur als auch die keramische Plastik und die klein- formatige Zeichnung auf Papier. Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung bilden Gemälde, die in zeitlichem Abstand zueinander entstanden sind und doch die konstante Beschäftigung Lees nicht nur mit minimalistischen Kompositionsprinzipien, sondern auch mit den Phänomenen der Zeit und der Repetition, bzw. mit gleich bleibenden Vorgängen veranschaulicht. „My work is always serial, always repetitive; it’s a sort of marking of time, like a record of being in the world.“ (Lee)
 
Jüngst entstandene Gemälde, die alle zur Serie Quanta gehören, werden mit Arbeiten aus der Serie der Mark Paintings, zusammengeführt, die aus den 1970er Jahren stammen. Beiden ist das quadratische Format gemein, sowie die Aufteilung der Bildfläche in ein Raster. Das Raster begreift Lee als den Ausgangspunkt ihrer Malerei, welches sie – parallel zum Gitter der geografischen Daten in der Kartografie – als das einfachste Hilfsmittel zur Verortung begreift und für die Strukturierung der Bildfläche einsetzt. So befindet Lee: „It’s the most basic way of making order out of nothing.“
 
Lees künstlerisches Schaffen liegt immer in der aktiven Widerholung begründet. Der Akt des farbigen Auffüllens der einzelnen Zellen in der Gitterstruktur bringt sie mit multiplen Vorgängen in Verbindung: mit dem Verstreichen der Zeit, wobei die leeren Quadrate im Laufe der Zeit nach und nach an Farbqualität zunehmen. Zugleich ähnelt der gleichmäßige Auftrag von Farbschichten dem regelmäßig rhythmisierten und automatischen Ein und Aus der Atmung. Frei von Expressivität wird der bewusst ausgeführte Pinselstrich zur existenziellen Geste. So wie die Zeit in Einheiten gegliedert ist, die sich zu Stunden, Tagen und Monaten addieren, so ist für Lee jedes Quadrat ähnlich, aber nicht gleich. Dabei versucht sie bewusst, autobiografische Spuren und die damit verbundene Lesbarkeit des Gemäldes zu vermeiden, die durch eine lineare, narrative Vorgehensweise zustande kommen. Statt wie beim Schreiben einer von oben nach unten, rechts nach links verlaufenden Bewegung zu folgen, in der Unterbrechungen und Pausen Störungen des Flusses markieren, strebt sie eine gleichwertige Behandlung im Sinne eines ahierarchischen All-overs an.
 
Die meisten Titel verweisen auf Bezeichnungen der verwendeten Farben, so z. Bsp. Madder Trumps Green (Krapprot übertrumpft Grün) oder auf einzelne Zeilen von ihr verfasster Gedichte (Immediate the Resonance of No). Ein Gemälde kann sowohl durch einen einzigen, als auch mit bis zu vier Farbwerten gestaltet sein, wobei Lee die Beschränkung auf zwei Töne favorisiert, die miteinander in ein spannungsvolles Wirkungsverhältnis treten. Immer wird das aufgezeichnete Raster vollständig flächendeckend mit einer einzigen Mischfarbe gefüllt. Nach der Trocknung wird eine weitere Mischfarbe darüber gelegt, wobei diese neue Schicht den darunter liegenden Farbton verfremdet. Der Akt des Malens ist ein Prozess der allmählichen Werdung, des Sichtbarmachens, der sich vollzieht, wobei er für Catherine Lee auch – aber nicht nur – eine Meditation darstellt. Ihre Aufmerksamkeit ist zu höchster Konzentration angehalten, nur eine leichte Ablenkung würde zu einer Abweichung in der Handhabung des Pinsels und zum Verlust des Gemäldes führen. Für Lee stellt jeder Pinselstrich eine affirmative Geste dar, in der die Tätigkeit des Malens mit der eigenen gegenwärtigen Existenz übereinkommt.
 
Ein weiteres wichtiges Medium für Catherine Lee ist die Skulptur. Neben den Gemälden, die  im Zentrum dieser Ausstellung stehen, ist auch eine spezielle Auswahl  keramischer Skulpturen zu sehen, die in der Raku-Brenntechnik gefertigt wurden. So sind Silverbacks und Rift  ebenfalls durch Wiederholungen geprägt, jedoch wohnt ihnen eine andere Qualität inne, bedingt durch die Körperhaftigkeit der skulpturalen Elemente. Dabei ermöglicht die simultane Wahrnehmung des Volumens und der bildhaften Oberflächenbehandlung die vierdimensionale Anschauung des „Bildkörpers“. Das skulpturale Werk Lees greift die Spannung auf, die in der Simultaneität von Gleichheit und Verschiedenheit, Einheitlichkeit und Individualität liegt, und lässt die übergeordnete Struktur mit den vielfältigen Varianten der einzelnen Komponenten in ein dynamisches Wechselspiel treten. Wie bei den Gemälden ist hier die Reihung als regelmäßiges Nebeneinander formal verwandter Einheiten das gestalterische Prinzip.
 
Das Konzept der reinen Abstraktion ist zentral für Catherine Lees schöpferischen Prozess und speist sich aus ihren Eindrücken von der Landschaft ihrer Herkunft: „Where I grew up, the landscape was just nothing, it was flat, and there was nothing to stop the wind from blowing through an empty landscape. I’m working from that all the time, a really reduced perspective, a sense of vastness, of space.“ (Lee) Lees künstlerische Vorgehensweise beruht nicht auf der Abstraktion von vorgefundenen Formen aus der Natur als reduzierte, immer noch dem Abbild verhaftete Auffassung, sondern steht vielmehr in Verbindung mit ihrer Idee von Spiritualität. Nicht der Gegenstand, sondern das Geistige als Ursprung jeder Formwerdung bildet den Ausgangspunkt ihrer Schöpfung: „making something out of nothing.“   
 
Catherine Lee lebt und arbeitet in New York und Texas. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen namhaften Sammlungen in den USA und Europa vertreten: The San Francisco Museum of Art, The Museum of Fine Arts, Houston, The Museum of Modern Art in New York, Museum of Modern Art, Kopenhagen, und Tate Gallery in London. Über Ausstellungen im Lenbachhaus (München, 1992), im Irish Museum of Modern Art (Dublin, 2005), sowie im Musée d’Art Moderne La Terrasse (Saint Etienne, 2006) und im Hôtel des Arts (Toulon, 2006) ist der Künstlerin eine breite öffentliche Aufmerksamkeit zuteil geworden. Neben Lehrtätigkeiten an der Universität von Texas San Antonio (1983, 2000) und der Columbia Universität New York (1986-87) hatte sie 2011 einen Gastlehrauftrag am IKKG Institut für Künstlerische Keramik und Glas, FH Koblenz (Höhr-Grenzhausen).
 

 
 
 
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