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Georgia Russell

Georgia Russell, 2013
Georgia Russell, 2013
Galerie Karsten Greve Köln

Forms of Belief
8. November 2013 – 11. Januar 2014
 
„Cutting out is a sort of freedom of expression. For me it’s drawing, but I draw with a scalpel.”
Georgia Russell arbeitet mit chirurgischer Genauigkeit, das klinische Skalpell zweckentfremdet zum künstlerischen Werkzeug. In filigranen Gesten schneidet sie ihre skulpturalen Papierarbeiten aus Notenblättern, Grafiken, Zeitungen oder Fotos, manchmal auch aus ganzen Büchern und transformiert Althergebrachtes zu fantastischen Kunstobjekten. Die Galerie Karsten Greve widmet ihr erstmalig in Deutschland eine umfassende Einzelausstellung.
 
Ausgehend von der Arbeit mit der Collage beginnt Georgia Russell um die Jahrtausendwende mit dem Zerschneiden von Büchern. Die Idee dazu gründet in einem Studienaufenthalt der Künstlerin in Paris, wo sie beim Anblick gebrauchter Lektüren, die wie tot und ungeliebt in den Regalen verstaubten, beschließt ihnen neues Leben einzuhauchen. Bereits das „unbearbeitete“ Buch ist für Georgia Russell wie ein skulpturales Objekt, das sinnbildlich die zahllosen Hände, die es einst gehalten haben, widerspiegelt und die unzähligen mit ihm verbundenen Gedanken zurückwirft. Die Dinge, die sie bearbeitet, die Bücher, die alten Fotografien oder Grafiken, findet sie auf Flohmärkten oder in Antiquitätenläden – es sind die Dinge, die einst ausgemustert wurden und die somit Bezug nehmen auf eine persönliche Anekdote, deren Geheimnisse zwar nicht preisgegeben werden, jedoch deren Informationen längst vergangener Zeiten greifbar machen. Einzelne Teile lässt die Künstlerin zuweilen unberührt, wie etwa den Buchrücken oder das Titelblatt und macht ihre Objekte auf diese Weise zu Verbindungsstücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart und gibt ihnen mit der Transformation ein neues Leben und eine neue Bedeutung.
 
Ambivalent mag der schmale Grat zwischen Verlust und Erhaltung ihrer Objekte sein, so wie die „destruktive“ Arbeit mit dem Skalpell die Materie zu verletzen scheint, sie sich zu Eigen macht und die Zerbrechlichkeit offen legt. Für die Künstlerin aber bedeutet das Schneiden nicht Zerstörung der Form, sondern vielmehr die Befreiung einer ganz neuen skulpturalen Materie, einer verborgenen Anatomie der Objekte, die sie mit ihrer Arbeit sichtbar machen will. Mit scheinbar schnellen und impulsiven Schnitten werden die Arbeiten energetisch aufgeladen und entbehren zunächst jeglicher Figuration. Tatsächlich aber zeigt sich dem Betrachter das Ergebnis einer nahezu meditativen Arbeit, die durch einen bedachten Rhythmus geprägt wird und im Stil von Jackson Pollock und dessen iterativer Technik ein einzigartiges Geflecht in einer taktilen Oberfläche entstehen lässt.
 
Georgia Russell wurde 1974 in Elgin, Schottland geboren. Ab 1991 besuchte sie Kurse zu Kunst und Design am Aberdeen College in Schottland und studierte bis 1997 an der Universität zu Aberdeen Bildende Kunst. Im Jahr 2000 schloss sie ihre Studien am Royal College of Art in London mit einem Master in künstlerischen Drucktechniken ab. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in international renommierten Institutionen zeigen die Anerkennung, die der jungen Künstlerin zuteil wird, so beispielsweise die Ausstellung „Slash: Paper under the Knife“ im Museum of Art&Design, New York oder „The Book Borrowers: Contemporary Artists transforming the Book“ im Bellevue Arts Museum in Washington. Ebenso finden sich Arbeiten in bedeutenden privaten sowie öffentlichen Sammlungen, beispielsweise im Victoria and Albert Museum, London und im Centre Georges Pompidou, Paris. Georgia Russell lebt und arbeitet in Paris.

 
 
 
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