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Jean-Michel Othoniel

Galerie Karsten Greve Köln

À bruit secret
9. März – 26. Mai 2012
 
Die Galerie Karsten Greve widmet dem französischen Künstler Jean-Michel Othoniel seine zweite Einzelausstellung in Köln. Othoniel hat mit seinen märchenhaften und assoziationsreichen Installationen aus Murano-Glas seit dem Ende der 1990er die Aufmerksamkeit eines internationalen Publikums gewonnen. Für die Ausstellung in der Galerie Karsten Greve hat er eine neue Werkgruppe mit sieben Skulpturen und Aquarellen geschaffen, die das Thema Noeud (Knoten) umkreisen. Überdimensionale Perlenstränge aus verspiegeltem farbigem Glas verschlingen sich zu abstrakten Bewegungsknäueln, die scheinbar schwerelos im Raum schweben.
 
Als besonders reizvoll stellt sich die Beschaffenheit des Glases mit seinen absichtlich zugelassenen Einschlüssen und der ungleichmäßigen, das Licht verschiedenartig reflektierenden Oberfläche heraus, welche den Betrachter zum Berühren und Hindurchschauen verleitet und schließlich durch die verzerrte Wahrnehmung in eine andere Realität führt. Im nächsten Moment muss er jedoch auch die Massivität, Schwere und Kälte erkennen, die dem Material Glas eigen ist. Tatsächlich wiegen die Arbeiten teils etliche Kilogramm. Die anziehende Ästhetik seiner Arbeiten fungiert für Othoniel als wichtiges Instrument, um den Dialog mit dem Betrachter zu eröffnen, aber das Schillernde, Glitzernde und Funkelnde ist offensichtlich Trug, bewirken die Werke doch in ihrem Gleißen eine Art Blendung und damit auch Verblendung des Betrachters. Othoniel hat die Schönheit stets als Blickfalle ausgelegt. (Bernard Marcadé), während die Arbeiten verschiedene Bedeutungsebenen umfassen, die sich von erotischen Assoziationen über die Suggestion von kostbarsten Materialien bis zur Verwirrung durch die überproportionalen Formate erstreckt.
 
Bei den Noeuds verknüpft Othoniel Bezüge zur Kunstgeschichte und zur Theorie Jacques Lacans „Was mich an diesen Arbeiten interessiert, ist die Frage des Lochs und dass dieses im Zentrum des Knotens liegt... In meinen jüngsten Skulpturen gibt es so etwas wie einen Körper im Zentrum und einen Knoten darum herum; dieser Knoten gewinnt dann eine Dynamik und wird zu einer Spirale... Das ist es, was ich im Augenblick zu lösen versuche... Der Knoten zieht sich um eine Achse zusammen und definiert eine Leere… Genau das ist bei À bruit secret im Spiel. Dieses Knäuel ist ein 'Hyperknoten', dessen Herzstück abwesend und immerfort unerreichbar ist.“ (Jean-Michel Othoniel). Dieses geheime Zentrum der Noeuds verweist auf das Titel gebende „Readymade à bruit secret“ Marcel Duchamps von 1916. Den Mittelpunkt von Duchamps Werk bildet ein unbekanntes, tönendes Objekt in einem Bindfadenknäuel, das fest zwischen zwei Messingplatten eingespannt ist. Ebenso unsichtbar und gleichzeitig zentral ist der Mittelpunkt der Skulpturen von Othoniel. Der Betrachter spürt die Konzentration und Ruhe im Innern der Noeuds, bleibt jedoch außen vor, geblendet von den spiegelnden Glasperlen auf den Bewegungsbahnen um dieses Zentrum herum.
 
Jean-Michel Othoniel wurde 1964 in Saint-Étienne, Frankreich, geboren. 1993 begann er erstmalig mit Glas zu arbeiten. 1995-96 verbrachte er ein Jahr als Stipendiat in der Villa Medici an der Académie de France in Rom. Bereits früh erhielt er internationale Aufmerksamkeit für seine Werke und nahm an bedeutenden Ausstellungen teil. Im Jahr 2000 gestaltete Othoniel den Eingang zur Metrostation „Palais Royal – Musée du Louvre“ in Paris mit der berühmten Installation "Le Kiosque des Noctambules". Internationale Einzelausstellungen wurden Jean-Michel Othoniel unter anderem in der Peggy Guggenheim Collection in Venedig 1997 und 2006 und im PS1 in New York 1998 gewidmet. Die Retrospective “My Way” war nach der Eröffnung im Centre Georges Pompidou in Paris 2011 im Leeum Samsung Museum/Plateau, Seoul und im Hara Museum of Contemporary Art, Tokyo zu sehen. Sie wird 2012 im Macau Museum of Art und im Brooklyn Museum, NY gezeigt. Gegenwärtig lebt und arbeitet der Künstler in Paris.
 

 

 
 
 
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