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Joel Shapiro

Galerie Karsten Greve Köln

Wood Plaster Bronze
30. Januar - 11. April 2015
 
Vernissage: Freitag, den 30. Januar 2015, 18 - 20 Uhr
in Anwesenheit des Künstlers
 
WERKE
 
BROSCHÜRE ZUR AUSSTELLUNG
 
Die Galerie Karsten Greve Köln freut sich, dem Werk des US-amerikanischen Bildhauers Joel Shapiro zum siebten Mal eine umfassende Einzelausstellung zu widmen. Shapiro zählt zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Skulptur und hat im Laufe seiner über 40-jährigen künstlerischen Laufbahn ein umfangreiches Œuvre geschaffen, welches durch spannungsreiche Größenordnungen und Gestaltkonfigurationen einen unverwechselbaren Charakter erlangt hat. Aus gewaltigen Bronzeblöcken gegossen oder aus massiven Holzbalken montiert, wirken manche Werke wie architektonische Bauteile, während wiederum andere, zierlich und leicht, im Spielzeugformat aus bunten Holzstücken durch Drähte, Nägel und Schrauben improvisiert befestigt sind und gleichsam als spontanes Ergebnis einer bildhauerischen Bricolage an der Wand oder von der Decke hängen. Bisweilen evozieren diese fragilen Gebilde sogar Anklänge an die zarten Papierfaltungen von Origami Objekten.
 
Zwischen Monumentalplastik und Miniaturformat angesiedelt, umfasst das Werk Shapiros gleichwohl kompakte geschlossene polygonale Körper als auch offene Strukturen, die durch aneinander gefügte Holzlatten oder längliche Bronzeelemente an ein unvollständiges Gerüst oder Rahmenwerk erinnern. Während Erstere gewichtig und massiv eine körperhafte Präsenz ausstrahlen, scheinen Letztere eher wie vektorielle Verzweigungen, richtungsweisende Markierungen zur Erschließung des dreidimensionalen Raumes angelegt zu sein. Auch in den neuen Arbeiten aus Bronze geht Shapiro seiner vielschichtigen Erprobung von Strukturen, die sich aus Geraden, Abständen, Flächen, Volumina und Winkeln ergeben, nach. Er legt damit geometrische Fragestellungen offen, die um Gestalt, Größe, proportionale Relationen und die Dimensionen des Raumes selbst kreisen, wobei das menschliche Maß den Ausgangspunkt dieser Auseinandersetzungen bildet.
 
So entstehen vielerlei Konfigurationen, deren interne Ordnung und daraus resultierende Proportionalität häufig Ähnlichkeit zur menschlichen Figur aufweisen, die jedoch keineswegs naturgetreu abgebildet wird. Trotzdem suggerieren bestimmte, akrobatisch anmutende Anordnungen der Einzelteile oft menschliche Haltungen und Posen, die gleichsam als Verkörperungen bestimmter Gemütszustände von erstaunlich expressiver Qualität sind.
 
Neben dem menschlichen Maß ist auch der Mensch mit seinen Wahrnehmungsprozessen bestimmend für Shapiros Konzeption von Skulptur. Im Grenzbereich zwischen Abstraktion und Figuration angesiedelt, besitzen seine skulpturalen Erzeugnisse Gestalt, ohne dabei einen konkreten Gegenstand zu bezeichnen bzw. zu bedeuten. Trotz ihrer Annäherung an bestimmte identitätsstiftende Merkmale, bleiben die Skulpturen vorwiegend ohne eindeutige Referenz und damit offen für Deutungsmöglichkeiten, die sich immer unmittelbar aus der persönlichen Sichtweise des Betrachters ergeben, der individuelle wie kollektive Erfahrungswerte einbringt. Dadurch werden die Formen gleichsam persönlich „aufgeladen“. Das unmittelbare physische Erlebnis der Skulpturen Shapiros ist somit gleichermaßen psychologisches Moment, geprägt durch ein Assoziationspotenzial, welches durch subtile Anklänge, Andeutungen an ein alltägliches allgemeingültiges Formengut aktiviert wird.   
 
Shapiros Auffassung von Skulptur sieht nicht nur ihre Vitalisierung durch subjektive Inhalte vor, sondern auch ihre Dynamisierung durch die aktive Bewegung des Betrachters im Raum. Im Geiste des Minimalismus und in Entsprechung phänomenologischer Grundsätze ergibt sich die Erfahrbarkeit der Werke unmittelbar aus der physischen Annäherung und Entfernung, aus der Positionierung des eigenen Körpers im Raum und damit den wechselnden Standpunkten des Betrachters. Das Verhältnis der Einzelteile zueinander verschiebt sich, so dass auch der Gesamteindruck variabel ist und in vielfältige Ansichten zerfällt. Shapiro widersetzt sich somit dem klassischen Verständnis an Skulptur, welches die Einheitlichkeit der Form und die hierarchische Distinktion von Schau- und Kehrseite propagiert, zugunsten eines ahierarchischen All-Over dynamischer Elemente.
 
In raumgreifenden Installationen - in Köln zuletzt 2011 im Museum Ludwig zu sehen - lässt Shapiro plastische Elemente wie in einer konstruktivistischen Komposition schweben, die einzelnen Bestandteile der Skulptur werden durch Fliehkräfte davon getragen und auseinander getrieben. Mit diesen Interventionen führt er die Öffnung des Raumes jenseits seiner architektonischen Beschränkungen herbei: Die Ebenen der Decke, des Bodens und der Wände geben keinen Halt und werden als Konstanten zur Orientierung hinfällig.
 
Mit der Auflösung konkreter räumlicher Parameter trotzt Shapiro auch physikalischen Gesetzmäßigkeiten, vor allem der Schwerkraft. Oft scheinen seine Gebilde in einer Bewegung erstarrt zu sein, sie verharren in einer prekären Balance. In parodistischer Anspielung auf das repräsentative Standbild lockert er die statuarische Schwerfälligkeit dieser Gattung auf. Hintersinnig und humorvoll spielt Shapiro Empfindungen von Gewicht und Gleichgewicht, Labilität und Stabilität gegeneinander aus, führt die verschiedenartigen Materialien Holz, Gips und Bronze an die Grenzen des statisch Möglichen.
 
 
Joel Shapiro wurde 1941 in New York City geboren. Er graduierte 1964 (B.A.) und 1969 (M.A.) an der New York University. Seine erste Einzelausstellung widmete ihm 1970 die Paula Cooper Gallery in New York. Seitdem wurden seine Werke in über 150 Einzel- sowie zahlreichen Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Bedeutende Solo-Präsentationen haben unter anderem in der Whitechapel Gallery, London (1980), dem Whitney Museum of American Art, New York (1982), dem Stedelijk Museum, Amsterdam (1985), dem Walker Art Center, Minneapolis (zusammen mit dem Nelson-Atkins Museum, Kansas City, 1995-6), dem Metropolitan Museum of Art, New York (2001) sowie im Museum Ludwig, Köln (2011) stattgefunden.
Sein Werk ist in namhaften öffentlichen Sammlungen vertreten, unter welchen die Tate Gallery, London, das Musée National d’Art Moderne, Centre Georges Pompidou, Paris, und das Museum of Modern Art in New York hervorzuheben sind. Zu Joel Shapiros bekanntesten Auftragswerken zählen Loss and Regeneration für das Unites States Holocaust Memorial in Washington D.C. und Now für das U.S. Konsulat in Guangzhou, China. Zahlreiche großformatige Außenskulpturen sind in Plätzen und Parks weltweit zu sehen, darunter im Kölner Skulpturenpark. Joel Shapiro wurde 1998 als Mitglied in die American Academy of Arts and Letters berufen und erhielt 2005 den Chevalier dans l´Ordre des Arts et des Lettres. Im Frühjahr 2015 wird ihm der Lifetime Achievement Award des International Sculpture Center verliehen. Joel Shapiro lebt und arbeitet in New York City.
 
 
PRESSESTIMMEN
Kölnische Rundschau, 27. Februar 2015
Artnet News, 9. Februar 2015

 
 
 
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