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Luise Unger

Galerie Karsten Greve Köln

 
6. November 2015 - 23. Januar 2016
 
Vernissage: Freitag, 6. November 2015, 18 - 20 Uhr
in Anwesenheit der Künstlerin
 
WERKE
 
BROSCHÜRE ZUR AUSSTELLUNG
 
Die „Sehnsucht, etwas Unergründliches fassen zu können“, erfüllt das skulpturale und zeichnerische Schaffen Luise Ungers. Die Galerie Karsten Greve Köln präsentiert zum ersten Mal eine umfassende Einzelausstellung mit überwiegend neuesten Skulpturen aus Edelstahldraht sowie Arbeiten auf Papier. Bereits 2009 wurde Ungers Werk eine Einzelschau in den Räumen des Pariser Galeriestandorts gewidmet.
 
Luise Ungers Formensprache ist fast immer abstrakt, umfasst aber ebenso geometrisch-architektonische wie biomorphe Elemente. Vor allem für ihr organisch-rundes Repertoire führt die Kölner Künstlerin ihre Inspiration zum großen Teil auf Strukturen und Kreisläufe aus der Natur zurück.
 
In ihren früheren Skulpturen experimentierte Luise Unger mit verschiedenen Werkstoffen wie Holz, Metall, Gummi, Wachs oder Baumwolle. Seit etwa fünfzehn Jahren setzt sich hingegen ihr Interesse an aufwendig gehäkelten Skulpturen aus Edelstahldraht durch. Das daraus von Hand entstehende Gewebe ermöglicht ihr, nahtlos gerundete Formen zu schaffen, die sie in verschiedenen Stadien noch modellierend beeinflussen kann. Aus dünnem, aber robustem, letztlich hartem Draht erwachsen voluminöse, zarte, gleichwohl komplexe Gebilde, denen eine fragile Weichheit zu eigen ist. Luise Ungers Werke betören durch ihre Leichtigkeit, ihre Schönheit und Poesie, obwohl sie einen langwierigen, mühevollen Entstehungsprozess durchlaufen. Angesichts der tausendfach ausgeführten Bewegungen der Häkelnadel, die an langsames Pflanzenwachstum erinnern, stellt sich die meditative Vorstellung von Unendlichkeit ein.
 
Gemeinsam ist ihren gehäkelten Drahtskulpturen die Mehrschichtigkeit, seien sie freihängend, wand- oder sockelbezogen, seien es rund geschlossene oder asymmetrisch offene Formen. Die Schichten liegen wie Netze übereinander, bleiben durchlässig für Licht, Luft und den Blick des Betrachters, der wie mit Röntgenstrahlen verdichtete und durchscheinendere Bereiche aufspürt. Doch die innerste Stelle ist meist ein Hohlraum, ein umschlossenes Nichts, ein von Membranen umgebenes, unfassbares Zentrum. Es kann eine Metapher für ein unergründliches Geheimnis sein, eine Erkenntnis, der tiefinnerste Kern von Menschen und Dingen.
 
Schon von einem leichten Lufthauch werden die schwebenden Gebilde bewegt und verdreht, wodurch das Auge eine der Materialebenen erneut fokussieren muss. Je nach Lichteinfall scheinen sich konkave und konvexe Flächen umzukehren. Momentweise herrscht eine transzendentale Gleichheit von Innen und Außen.
 
Parallele Aspekte lassen sich in Luise Ungers Papierarbeiten wiederfinden, die jedoch einen eigenständigen Werkkomplex bilden. Auch diese fordern das Auge mal mit kurvenreichen, mal mit gradlinigen Strukturen heraus. Dabei spielen unterschiedliche Texturen dort eine Rolle, wo zum Beispiel dichte Graphitspuren eine reflektierende, immaterielle Qualität annehmen oder wo ausgeschnittene Bereiche zusätzliche Ebenen erschließen. Der wechselseitige Bezug wird deutlich, wenn die Drahtskulpturen wie dreidimensionale, schwebende Zeichnungen wirken und ihr Schattenspiel auf eine Wand projizieren.
 
Luise Unger wurde 1956 im schwäbischen Bad Saulgau geboren und studierte von 1981 bis 1989 Bildhauerei bei Erwin Heerich und Ulrich Rückriem an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Arbeiten werden regelmäßig in Galerien und Museen ausgestellt; u.a. beteiligte sich die Künstlerin von 1999 bis 2004 an der jährlichen Präsentation Großen Kunstausstellung NRW im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Luise Unger lebt und arbeitet in Köln.

 
 
 
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