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Paco Knöller

Galerie Karsten Greve Köln

Lidrand des Sees. Retrospektive 1986 - 2016
14. April - 18. Juni 2016
 
Vernissage und Cocktail zur Art Cologne: Donnerstag, 14. April 2016, 18 - 21 Uhr
in Anwesenheit des Künstlers
 
WERKE
 
Die Galerie Karsten Greve Köln freut sich, die Ausstellung Paco Knöller – Lidrand des Sees. Retrospektive 1986 – 2016 anzukündigen. Die Retrospektive umfasst die letzten drei Jahrzehnte von Paco Knöllers Schaffensperiode und ergründet die Entwicklungsverläufe seiner bisherigen künstlerischen Herangehensweisen sowie seiner neuesten Arbeiten. In den 1980er Jahren erlangte Knöller durch seinen eloquenten Umgang mit Farbe und seine experimentellen Arbeitsmethoden Bekanntheit und wird heute zu den wichtigen zeitgenössischen Künstlern seiner Generation gezählt. Neben zahlreichen innovativen Ausdrucksformen offenbart sich dies auch in der Einzigartigkeit seiner Arbeit mit dem traditionellen Medium des Holzschnitts.
 
In Lidrand des Sees. Retrospektive 1986 2016 findet sich eine illustrative Auslese aller richtungsweisenden Werkzyklen zusammen, welche bezeichnende Ausgangspunkte seiner gestalterischen Entfaltung umreißt und auf räumlicher sowie thematischer Ebene durch diese Entwicklung führt. Die repräsentativen Arbeiten aus dem Zeitraum zwischen 1988 und 2008 waren in musealen Einzelausstellungen zu sehen.
 
In Ölkreide und Pigment auf großflächigen Papierbögen geschaffen, beschrieben Paco Knöllers frühe Arbeiten Szenen, in denen wuchtige, technoide Elemente neben menschenähnlichen Gebilden erscheinen. Heraufbeschworen durch die finstere Ikonografie, wird das Gefühl einer existentiellen Vorahnung und unaufgelösten Spannung in ihrer eingeschränkten Farbpalette greifbar. Mit zunehmender Distanzierung zur figurativen Repräsentation, bedienten sich die darauffolgenden Arbeitszyklen Paco Knöllers einer reduzierteren, fragmentierten Bildsprache, welche oft das Motiv des Kopfes, in Form von anspielungsreich platzierten Linien, enthielten. Paco Knöller entwickelte sich nach der Jahrtausendwende dahingehend weiter, seine unkonventionelle Serie farbkräftiger Holzschnitte zu erschaffen, in der er die traditionelle Technik mit malerischen Elementen zusammenführte.
 
Naturgemäß neigt Knöller dazu, die intrinsischen Eigenschaften seiner Arbeitsmaterialien zu pointieren, herauszufordern und auszuschöpfen. Es ist die kraftvolle Wechselwirkung von Farbe und freier Linienführung, welche das Werk Knöllers kennzeichnet und ein fesselndes Schauspiel erzeugt. Angeleitet von dem grundlegenden Bestreben eben diese Linie und Farbe eins werden zu lassen, wurde die Arbeit des Malerzeichners bereits zutreffend als sehr direkter und freier Umgang mit Farbe umschrieben. Außerhalb jeder förmlichen Beschränkung, wird diese durch die ambivalente Präsenz von Spontanität und vorsichtiger Überlegung geprägt. Diese symbiotische Überlagerung sowie das axiomatische Kontinuum aus der intuitiven zeichnerischen Fertigkeit des Künstlers, sind Ausgangspunkt und Impuls für sein beständig unverkennbares Oeuvre.
 
Paco Knöller überrascht, indem er kontinuierlich neue Seherlebnisse bietet. Beispielhaft hierfür ist die Methode, welche seine neueren Werke prägt: Nachdem er die Oberfläche der kantigen Bildträger – denen eine skulpturale Anmutung zu eigen ist und welche von ihm prosaisch als 'Hölzer' bezeichnet werden – in einer nahezu stratigrafischen Anordnung mit Lack grundiert hat, baut Knöller mit den Handballen, in halbtransparenten bis opaken Schichten, Ölkreiden darauf auf und legt so einen atmenden, irisierenden Farbmantel an. Die Oberfläche lädt durch ihre taktile Beschaffenheit beinahe dazu ein, berührt zu werden. Mit einem Malmesser zeichnet er Linien in die Ölkreideschicht, durchdringt die Übergänge zwischen den Farbtönen und legt so in einem symbiotischen Austausch zwischen Malerei und Zeichnung die glänzenden Lack-Nuancen der Unterhaut frei. Die Linie, welche die farblich changierenden Felder durchzieht und die glänzenden Nuancen zum Vorschein kommen lässt, wird so zum Hauptprotagonisten in diesem luziden Spiel scheinbar zufälliger und gleichzeitig wohlerwogener Anordnung von Form und Textur.
 
Ebenfalls ausgestellt werden ausgewählte Arbeiten aus einem der bisher umfassendsten Werkzyklen des Künstlers Künstliche Paradiese. Schlafmohnalphabet, welcher durch die schemenhaften Umrisse leuchtender Mohnkapseln als Verkörperung eines rätselhaften und deutungsreichen Behältnisses charakterisiert wird. Andere Werkgruppen auf Holz geben mit Titeln wie Brief an die Blinden oder Dem Wind Hinweise auf ihr poetisches Formenspektrum. Auch zu sehen sind Hölzer aus der Serie The Thinking Reed, benannt nach einem Text von Agnes Martin, die in ihrer Verschmelzung üppiger Farbtöne eine organisch ausgeglichene Harmonie verströmen. Durch den Widerstand gedämpfter Farben die von der Energie intensiv strahlender Elemente zehren, samtige Weichheit neben glatten Lackflächen und die spekulative Beobachtung von nur partiell verdeckten Schichten, übermitteln Knöllers Arbeiten ihre Sinnlichkeit an den Betrachter und erscheinen so in ihrer vollen Komplexität und Intensität.
 
Die Retrospektive schließt mit der 2016 fertiggestellten Arbeit Aufwachraum, welche den Mittelpunkt der Ausstellung bildet. Bestehend aus drei blauen hölzernen Flächen, enthält das Werk Anklänge an eine sich in die Ferne erstreckende ozeanische Weite, welche durch die mäandernden Linien von denen es durchzogen ist, wieder im hier und jetzt verankert wird. Der Titel Aufwachraum, welcher freimütig innerhalb der Grenzen von Vorstellungskraft und Assoziation umherstreift und dem eben diese verankernde und besänftigende Ruhe innewohnt, bezieht sich auf einen Zustand des Ankommens, auf einen Raum zwischen Traumwelt und Wachsein.
 
Paco Knöller wurde 1950 im schwäbischen Obermarchtal geboren. Er begann sein Studium 1972 bei Joseph Beuys und studierte bis 1978 an der Kunstakademie Düsseldorf. Ebenfalls im Jahr 1978 richtete ihm die Städtische Galerie Ravensburg die erste Einzelausstellung aus. Seitdem sind seine Arbeiten regelmäßig in führenden deutschen Museen gezeigt worden, wie der Nationalgalerie Berlin (1988), der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf (1990), dem Sprengel Museum Hannover (1997), der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe (1997), dem Museum Hamburger Bahnhof Berlin (2002), dem Städtischen Kunstmuseum Spendhaus in Reutlingen (2007) sowie dem Kunstmuseum Dieselkraftwerk in Cottbus (2008) als Eröffnungsausstellung nach dessen Umbau. Im Jahr 2001 wurde Paco Knöller mit dem “Oberschwäbischen Kunstpreis” ausgezeichnet. Im selben Jahr trat er eine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Künste in Bremen an, welche er bis 2013 ausführte. Paco Knöller lebt und arbeitet in Berlin. 

 
 
 
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