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Raúl Illarramendi

Galerie Karsten Greve Köln

The Spirit Line
16. April - 23. Mai 2015
 
Vernissage: Donnerstag, 16. April 2015, 18 - 22 Uhr
in Anwesenheit des Künstlers
 
Führung durch die Ausstellung mit dem Künstler am Samstag, 18. April 2015, 14 Uhr
 
WERKE
 
Die Galerie Karsten Greve Köln freut sich, nach vorangegangenen Präsentationen in unseren Häusern in Paris (Drawing from Nature, 2013) und St. Moritz (2014), dem gebürtigen Venezolaner Raúl Illarramendi (*1982) die erste umfassende Einzelausstellungen in Deutschland zu widmen.
 
Das faszinierende Werk Illarramendis besticht durch seine handwerklich perfekt ausgeführte und hochästhetische Wiedergabe von Oberflächen des öffentlichen Raums, in die sich Spuren der Benutzung und Abnutzung eingeschrieben haben. Als Vorlage dienen Illarramendi Fotografien, die auf seinen Streifzügen durch urbane Gegenden entstehen. Gegenstand seiner akribischen Beobachtungen sind die Manifestationen des täglichen Lebens, die in Form von Kritzeleien, Schmierereien, Flecken und weiteren Gebrauchsspuren auf Lkw-Planen, Garagentoren, Karosserien, Abfallcontainern usw. sichtbar werden und die im großstädtischen Erscheinungsbild eher unbewusst wahrgenommen werden.
Derartig beiläufige Hinterlassenschaften im städtischen Umraum berichten von einer Anwesenheit oder Aktion, die sich durch Markierungen des Körpers, z.B. in Finger- oder Fußabdrücken ausdrückt. Damit sind sie Zeugnisse und zugleich Zeichen des Dagewesenen, die von Illarramendi katalogisiert und bildnerisch umgesetzt werden.
 
Das Spontane, Gestische dieser flüchtigen Spuren wird durch die kontrollierte Vorgehensweise Illarramendis gebändigt. Seine Leinwände grundiert er mit bis zu 7 Schichten, die er dann sorgfältig abschleift, damit die Oberfläche die matte Textur von Papier annimmt. Auf diese trägt Illarramendi mit Gouache farbige Partien auf, gefolgt von dem zeitaufwendigen Auffüllen der Flächen mit unzähligen Buntstiftstrichen, deren Farbspektrum in Reaktion oder harmonischer Entsprechung zu den zugrundeliegenden Tönen gewählt wird und in deren Verdichtung sich das Negativ der Zeichnung offenbart. Denn durch die Ausmalung des Hintergrundes und der Freilassung der Partien, die als Spuren bzw. Markierungen erkennbar werden, umgeht Illarramendi die zeichnerische Setzung zugunsten ihrer Aussparung. Aufgrund solcher Leerstellen bezeichnet er diese Darstellungen als „Anti-Zeichnungen“, um die seine Serie EA (Evidence of Absence) kreist.
 
Auch in der bislang 15 Gemälde umfassenden, auf Zuwachs angelegten Serie TI (Terra Incognita) treten skizzierte Pläne, gekritzelte Telefonnummern, rudimentäre Wegbeschreibungen hervor, die sich in Ermangelung eines Stücks Papier durch die Abtragung der Staub- oder Schmutzschicht mit dem bloßen Finger auf Lkw-Türen und Fenstern niedergeschlagen haben. Die Entstehung der Zeichnung kommt durch die Entfernung des oberflächlichen Belags zustande und Illarramendi überträgt diese Technik auf seine archaisch anmutenden, gleichsam „abwesenden“ Zeichnungen.  In seiner Serie TI, deren Titel Terra Incognita in Anspielung auf die kartografischen Aufzeichnungen der Entdecker Amerikas zugleich  die  Realität und Rätselhaftigkeit der eingelassenen Schriftzeichen betont, führt Illarramendi erstmals solche bewusst ausgeführten Skizzen in sein Werk ein, die im Gegensatz zu den meist zufälligen Spuren und Fingerabdrücken seiner Serie EA (Evidence of Absence) stehen.
 
Wie ein flüchtiger Gedanke, ein Gruß oder eine bestimmte Gefühlsäußerung richten sich diese konkreten und faktischen Diagramme als unmittelbare Botschaft an einen individuellen Adressaten. Lesbarkeit und Bedeutung sind untrennbar mit diesem verbunden und verlieren sich schon bald nach ihrer Werdung in der Abstraktion des Anonymen und Allgemeinen. Illarramendi betont den dokumentarischen Charakter dieser Motive, in dem er auch die Materialität des Mediums berücksichtigt und die zwischen Gold und Silber angesiedelte Tonalität der zugrunde liegenden Fotografie übernimmt. In seinen Übertragungen zeigt und erfüllt sich somit Illarramendis Anliegen, die doppelte Medialität in der physischen Präsenz beider Oberflächen – sowohl die pulverisierten Rückstände auf einer schmutzigen Fensterscheibe als auch die Farbigkeit des Fotopapiers – zu bewahren, indem er sie in den Graphitpartikeln seines Bleistiftes, die sich über die Leinwand legen, vergegenwärtigt. Durch seine künstlerische Aneignung überführt Illarramendi alle belanglosen Vorlagen in atmosphärisch dichte „Seerosen des digitalen Zeitalters“, wie Sébastien Gokalp die Werke Illarramendis in Anlehnung an die ikonischen Gemälde des Impressionisten Claude Monet beschreibt.  
 
Raúl Illarramendi wurde 1982 in Caracas, Venezuela, geboren und begann seine künstlerische Ausbildung 1998 als Assistent des Malers Felix Perdomo. In der Folge wurde er Mitglied des Circulo de Dibujo des Contemporary Art Museum of Caracas Sofia Imber. Er nahm Studien der Bildenden Kunst und der Kunstgeschichte an der University of Southern Indiana in Evansville, USA auf, sowie an der Université Jean Monet in St. Étienne, Frankreich, wo er seinen Master of Fine Arts erlangte. Er wurde mehrfach für seine Arbeit in den USA und Frankreich ausgezeichnet, zuletzt 2012 mit dem Jean Chevalier-Preis für Malerei in Lyon. Raúl Illarramendi lebt und arbeitet in Méru, Frankreich.

 
 
 
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