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Sergio Vega

Sergio Vega: Sublime Entropies, 2012
Sergio Vega: Sublime Entropies, 2012
Galerie Karsten Greve Köln

Sublime Entropies
1. Juni – 31. August 2012
 
Der argentinische Künstler Sergio Vega (geb. 1959 in Buenos Aires) arbeitet seit 1995 an einem umfassenden Projekt El Paraiso en el Nuevo Mundo, das auf dem gleichnamigen Text Antonio de Leon Pinelos (erschienen 1656) basiert. Vegas multimediale Auseinandersetzung mit Pinelos Theorie, dass das biblische Paradies real im Regenwald Südamerikas in der Gegend von Mato Grosso zu lokalisieren sei, interpretiert diese Vorstellung mit hintergründigem Humor neu. Vergangenheit und Gegenwart, das Rahmenthema der diesjährigen documenta, sind in Vegas Arbeit stets präsent und bilden das Bezugssystem seiner Recherche.
 
Die Galerie Karsten Greve zeigt vier Werkgruppen aus Sergio Vegas Projekt El Paraiso en el Nuevo Mundo. Mist in the Forest (2010) und Inside the Forest (1996-2011) setzen sich mit der Ikonographie der Natur in Vergangenheit und Gegenwart auseinander. Die Fotografien des im Nebel versunkenen Regenwaldes rufen beim Betrachter Assoziationen an die romantische Landschaftsmalerei wach sowohl in Bezug auf das intime Format als auch in der Darstellung der Natur in ihrem erhabenen Schöpfungszustand. Folgerichtig nennt Vega die Reihe auch „Sublime Series“. In den großformatigen Bildern Inside the Forest dagegen fotografiert Vega den Regenwald aus der Perspektive der barocken Malerei: das Chiaroscuro Caravaggios, die Sinnlichkeit der Formen bei Rubens oder Lichtreflexe in der Vegetation wie in Vermeers Malerei. Das irdische Paradies des 17. Jahrhunderts.
 
Die Fotografien aus den Gruppen Roads of Amazonia und Entropy, Houses, Places and Objects richten den Blick auf die Inbesitznahme der Natur durch den Menschen und die gesellschaftlichen Bedingungen. Der Stil vieler Häuser ist beispielsweise ein nordamerikanischer Import durch Henry Fords Plantagen zur Rohgummigewinnung 1927. Heute garantiert den Lebensstandard der Mittelschicht Brasiliens die Rodung des Regenwaldes, die Vega durch das Bild des Bulldozers repräsentiert. Mit 4 steps of a rooster manifesto reflektiert Vega mittels eines Fotoessays die Gegenwartskunst, die aus den armen Materialien Brasiliens wiederaufersteht. Ein Hahn bewegt sich inmitten einer Ansammlung von verbogenen, verrosteten Metallgestängen, unbrauchbaren Geräten und Bauabfällen, einem Environment, das an eine Versammlung von Duchamps Readymades erinnert. Vega interpretiert die vier Schritte des Hahns in dieser chaotischen Umgebung als ‚Fort-schritte’ eines symbolischen Revivals des surrealistischen Manifestes. Die Fotoreihen werden ergänzt durch Vegas Videoarbeiten The Missing Tail und The Deer (Not the Iguana), die Tue Greenfort für seine Section „Worldly House“ auf der diesjährigen dOCUMENTA (13) ausgewählt hat.
Die vier Werkgruppen stehen untereinander in Bezug und sind Teil von Sergio Vegas komplexer multimedialer Auseinandersetzung mit historischen und gegenwärtigen Methoden der Repräsentation, die den Modus operandi kolonialistischer Ideologie bei der Entwicklung von Kultur und sozialen Gegebenheiten in den vergangenen Jahrhunderten bis in die Gegenwart erhellt. Vega vermag in dem schelmenhaften cross-over von Theorie, genauer Beobachtung und beißender Kritik an Macht und Gesellschaft schließlich in der Kunst ein Paradies zu kreiieren, in dem sinnlicher Reiz und kritischer Diskurs zusammen kommen.
 
Sergio Vega wurde 1959 in Buenos Aires geboren. Er lebt in Gainsville, Florida, wo er eine Professur für Fotografie inne hat. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen international präsentiert, unter anderem auf der 51. Biennale von Venedig, der 5. Biennale in Lyon, der 3. Biennale von Moskau, der 2. Kwangju Biennale und der 1. Triennale in Yokohama.

 

 
 
 
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