Sie sind hier

Gideon Rubin

GALERIE KARSTEN GREVE KÖLN

Gideon Rubin, Untitled (Four Girls), 2018, Öl auf Leinen, verso oben mittig signiert: Gideon Rubin; verso oben rechts datiert: 2019, 40,5 x 46 cm / 16 x 18 in
GR/M 333
 
"Warning Shadows"
11. April - 18. Mai 2019
Vernissage am Donnerstag, 11. April 2019, 18 – 22 Uhr

im Rahmen des Galerierundgangs zur ART COLOGNE 

in Anwesenheit des Künstlers

 

Es spricht Gabriel Coxhead (London), Autor und Kunstkritiker

 

Die Galerie Karsten Greve Köln freut sich, eine Einzelausstellung des Künstlers Gideon Rubin (geb. 1973 in Tel Aviv) parallel zur ART COLOGNE zu präsentieren. Die Ausstellung wird neben seinen Bildern mit Darstellungen von Personen, Köpfen und Landschaften auch Papierarbeiten aus über zehn Schaffensjahren, von 2008 bis 2019, umfassen. Die Kölner Ausstellung setzt einen Schwerpunkt auf die Serie von zwölf kleinformatigen Ölgemälden, welche Charaktere und Stil des Kinos in der Weimarer Republik (1918 – 1933) wiedergeben. Die Schönheit der Filme jener Zeit steht in krassem Kontrast zu den gleichzeitigen historischen Ereignissen und den unmittelbar nachfolgenden verheerenden kulturellen Entwicklungen. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 bereitete dieser Produktivität und filmischen Experimentierfreude ein abruptes Ende. Mit Warning Shadows greift Gideon Rubin den gleichnamigen Stummfilm von 1923 auf. Wie der Titel der Ausstellung andeutet, spürt er den Einflüssen des Stummfilmkinos nach, das den dramaturgischen Gebrauch von Licht und Schatten meisterhaft umsetzte. 

Ein Bildband über die Leinwandgrößen des Weimarer Kinos, den er in einem Londoner Antiquariat entdeckte, gab dem Künstler den ersten Impuls zur Weimarer-Serie. Diese Serie vereint drei wichtige Aspekte in Gideon Rubins künstlerischem Œuvre: die für ihn zentrale Zeitspanne zwischen den Weltkriegen, die Medienkultur jener Zeit und die Darstellung von Charakteren, die im kulturellen Gedächtnis verankert sind.

Gezeigt wird unter anderem auch eine Serie von Reisebildern (Travel Paintings), die aus dem künstlerischen Austauschprojekt Places of Conflict hervorgegangen sind, an dem Gideon Rubin 2016 in China und Israel teilnahm. Die Xinjiang-Serie zeigt Menschen im Alltag, Straßenszenen und Monumente während einer hochbrisanten politischen Situation im Jahr 2016, als unter strengster Regierungskontrolle in der nordwestlichen Unruheregion Xinjiang Reisepässe eingesammelt wurden und Einwohner nicht mehr beliebig ausreisen durften. 

Inspiriert von Filmen und alten Fotografien aus Familienalben, von Abbildungen prominenter Persönlichkeiten und Altmeisterbildnissen, illustrierten Magazinen, nicht zuletzt Alltagseindrücken malt Gideon Rubin Figuren, die er in seiner charakteristischen Malweise reduziert. Der Künstler interessiert sich nicht für das Individuum oder die Einzelperson. Seine Menschenbilder zeigen daher an Stelle des Gesichts zumeist eine beigefarbene Leerstelle, einen schwarzen Fleck, eine Gasmaske oder eine andere Maskierung. Durch Haltung und Gestik, Frisur und Kleidung oder ein kennzeichnendes Attribut schildert er einen Typus, eine Charaktere oder eine historische Persönlichkeit.

Die Orte, an denen sich die Menschen jeweils befinden, sind bei der sparsam skizzierten Umgebung kaum auszumachen. In Gideon Rubins Arbeiten geht es um Erinnerungen, die mit der Zeit verblasst sind. Der Künstler verwendet dezente Farben – zumeist sandige Töne, grau-blau Farben und Eierschalenweiß, welche er mit malerischem Duktus aufträgt, manchmal ein apart eingesetztes, leuchtendes Rot, um ein Detail besonders zu betonen. Diese subtile Farbigkeit und die Tatsache, dass er seine Werke oft nachträglich mit zusätzlichen Schichten überarbeitet, lässt seinen Wunsch durchblicken, Vergessenes wieder zum Leben zu erwecken. Als Medium nutzt er Leinwand und Naturleinen, Karton oder Holz, einige Partien lässt er unbearbeitet, sodass der Malgrund Teil der Komposition wird. Durch das Verwischen identifizierender Details und das Löschen physiognomischer Gesichtszüge verbindet der Betrachter die Dargestellten mit eigenen Erinnerungen und Vorstellungen, zumal verhaltene Gesten, Haltung und Positionen der Figuren auf ein Déjà-vu zielen und dazu auffordern, die Fehlstellen zu ergänzen. 

 
 
 
© 2019 Galerie Karsten Greve: Alle Rechte vorbehalten.  |  Impressum | Datenschutzbestimmungen
Für den Newsletter anmelden

Find Us on FacebookFind Us on InstagramFind Us on PinterestFind Us on YouTube

Theme by Danetsoft and Danang Probo Sayekti inspired by Maksimer