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Gotthard Graubner

GALERIE KARSTEN GREVE PARIS

Gotthard Graubner, "kornata", 1993-96, Acryl und Mischtechnik auf Leinwand auf Synthetikwatte auf Leinwand,
207 x 210 x 20 cm / 81 1/2 x 82 2/3 x 7 3/4 in
GG/M 78
 
09. November 2019 - 11. Januar 2020
Vernissage am Samstag, 09. November 2019 von 18 - 20 Uhr.
 
"Am farbigen Abglanz haben wir das Leben." Johann Wolfgang von Goethe, Faust II

Die Galerie Karsten Greve freut sich, die Ausstellung Gotthard Graubner zu Ehren des bedeutenden deutschen Malers zu präsentieren. In direkter Zusammenarbeit zwischen der Galerie Karsten Greve und dem Nachlass Gotthard Graubner entstanden, bietet die Ausstellung dem französischen Publikum Zugang zu zwanzig Werken aus der Zeitspanne von 1989 bis 2011. Beim Durchschreiten der Ausstellungsräume der Galerie wird der Betrachter von einer der Farbe innewohnenden Leuchtkraft in Gotthard Graubners sogenannten Farbraumkörpern und der Subtilität ausgewählter Arbeiten auf Papier ganz und gar vereinnahmt.

Gotthard Graubner, 1930 in Erlbach, Deutschland, geboren, schließt 1959 sein Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf ab. In diesen Lehrjahren entstehen die Zeichenbilder, aus denen man bereits ablesen kann, wie wichtig die Farbe im Werk des Malers sein wird: sie verteilt sich, leichtfüßig und verdünnt, als Ergebnis einer klaren Geste, auf einer monochromen Oberfläche. Aber Ende der 60er Jahre wird sein malerischer Ansatz von Grund auf innovativ: In experimentellen Kunsträumen wie den Nebelräumen von 1968 erlebt der Betrachter einen Raum von lichtundurchlässiger, undurchsichtiger Atmosphäre. Der Zugang zum Bild ist vergleichbar mit demjenigen zu den Nymphéas von Claude Monet für das Musée de l’Orangerie als den vorrangig performativen Ansätzen der damaligen Zeit. Von da an werden die körperliche Erfahrung des Betrachters und die somatischen Eigenschaften des Bildes zum Zentrum von Gotthard Graubners Malerei. Seine Absicht, der Farbe körperliche Form zu verleihen, zeichnet sich bereits ab in den

sogenannten Kissenbildern der frühen 1960er Jahre, die Gotthard Graubner mit kleinen Farbkissen gefertigt hat. Doch erst in den ab 1970 entstehenden Farbraumkörpern erreicht das Werk des Künstlers seine vollkommene ästhetische Kohärenz. Ihre Körperlichkeit erlangt Gotthard Graubners Malerei durch das Übereinanderschichten von mit natürlichen Farbpigmenten bearbeiteten Leinwänden über eine voluminöse Lage von Watte oder synthetischem Schwamm.
Das bewirkt eine doppelte Betrachtungsperspektive: von der Seite gesehen ermöglicht die Dreidimensionalität der konvexen Oberfläche der Farbe in den Raum zu treten, während die frontale Ansicht die Vision einer scheinbar glatten Oberfläche bietet. Hier geht es nicht darum, die Beziehung zwischen Bild und Objekt in Frage zu stellen, wie das bei den Malern der Künstlergruppe ZERO der Fall war, sondern vielmehr darum, zum ursprünglichen Begriff der Farbe in der Malerei zurückzukehren. Gotthard Graubner folgt den Regeln der Farbenlehre und trägt die Bildmaterie in mehr oder weniger dicken Schichten auf: die Farben werden nach Komplementarität und simultanem Kontrast zwischen kalten und warmen Farben verbunden, wodurch ein beinahe greifbares Licht entsteht. Die Technik der farbigen Schatten, die Maler wie Tizian, Veronese oder Pontormo, die Pioniere der wissenschaftlichen Studien über die Beziehung zwischen Licht und Farbe, erforschten, die Goethe, Klee und Itten später weiterentwickelten, spielen in Gotthard Graubners Malerei eine wesentliche Rolle. Auf den ersten Blick erscheint einem das Werk monochrom, doch erkennt das Auge bald eine Vielfalt von übereinander geschichteten Farbnuancen, die miteinander im Dialog stehen. Der Schleier eines orangenen Pigments wird mit einer Schicht Blassgrün verbunden, das wiederum einen Hauch Magenta lebendig werden lässt. Durch dieses Übereinanderschichten und die Zusammenstellung von Farben und unterschiedlichen Farbabstufungen glaubt der Betrachter Licht wahrzunehmen, dass aus dem Bild flutet. Dies erinnert an den berühmten Satz von Paul Cézanne, um die Sonne zu malen, müsse man sie hinter der Leinwand verstecken.
Die rein malerische Recherche von Gotthard Graubner geht von der Beobachtung der Wirklichkeit aus, von unserer Wahrnehmung der Welt, die immer auf Licht beruht, das sich auf Gegenständen widerspiegelt, dadurch Farben bildet und uns ermöglicht die Formen zu erkennen, die uns umgeben. Für Gotthard Graubner sind Farben keine Abstraktion, sondern wirkliche Einheiten, aus denen sich die Welt zusammensetzt. Der Künstler strebt danach, die Farbe nicht nur zum Mittelpunkt seines Werkes zu machen, sondern zu seinem einzigen Thema: er trachtet danach, sie so zu verdichten, dass sie zu einem Organismus wird, der atmet und lebt. Die Leinwand ist deckend und schützend wie eine Haut, die allerdings die Farbe in einem osmotischen Verfahren zwischen dem Inneren – dem Körper – und dem Äußeren – dem Werk – durchsickern lässt. Wie der Historiker und Kunstphilosoph Gottfried Boehm sagt, handelt es sich um eine subkutane Kunst, in der das Pigment teilweise von der Watte oder dem Schwamm unter der Leinwand aufgesogen wird, gleichzeitig aber auf der Oberfläche der unbearbeiteten Leinwand zum Vorschein kommt.
Gotthard Graubners Malerei ist unbedingt und absolut, sie strebt nicht danach, das Sichtbare zu reproduzieren, sondern sie wird lebendig, sie wird Organismus. Sie trägt den Schaffensprozess in sich und ist seine Vollendung, sie ist das Werden und das Sein, die Tat und die Betrachtung zugleich.
 

 
 
 
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