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Lawrence Carroll

GALERIE KARSTEN GREVE KÖLN

Lawrence Carroll, Grotte Painting, 2017, Wandfarbe und Staub auf Leinwand auf Holz, verso signiert: Carroll 2017, 290 x 178 x 4 cm / 114 1/4 x 70 x 1 1/2 in
LC/M 134
 
"Moments"
24. Mai - 31. August 2019
Vernissage am Freitag, 24. Mai 2019, 18 - 20 Uhr
in Gedenken an den Künstler.
Es spricht Uwe Gellner, Sammlungskurator Kunstmuseum Magdeburg
 
Die Galerie Karsten Greve freut sich, mit der Ausstellung Moments, Werke des amerikanischen Künstlers Lawrence Carroll, den die Galerie seit 1999 vertritt, zu präsentieren. Gezeigt werden Arbeiten aus den vergangenen fünf Schaffensjahren, darunter noch nie ausgestellte Objekte aus dem Studio des Künstlers. Ebenfalls im Mai dieses Jahres eröffnet er seine erste Ausstellung mit Fotoarbeiten in der Rolla Foundation, Bruzella, Schweiz.

Lawrence Carroll charakterisiert sich selbst als einen Maler, der tausend Maler in sich trägt, sein gesamtes Werk betrachtet er als ein Gemälde. Die Mehrzahl seiner Arbeiten, die er als „Gemälde“ bezeichnet, muten jedoch wie Wandobjekte an. Sie sind Malerei und Skulptur zugleich, gehen in ihrer Plastizität über den traditionellen Werkbegriff eines Bildes hinaus. Seine Arbeiten zeigen sich als „malerische Konstruktion“, in deren Struktur oder Oberfläche der Künstler Objekte oder Materialien einarbeitet und sie auf diese Weise zerstört, anschließend wieder neu zusammensetzt oder sie „repariert“, wie er selbst sagt. Durch die einfachen Materialien wie Staub, das Streben nach Reduktion und durch die Installation der Kunstwerke im Raum steht Lawrence Carroll der Ästhetik der Arte Povera nahe. Dem Einsatz traditioneller technischer Mittel wie Ölfarbe und roher Materialien etwa Holz, Wachs und Leinwand entspricht die Farbigkeit seiner Arbeiten. Bei näherer Betrachtung offenbaren sie eine unendlich feine Nuancierung in Off-Weiß, Beige, dunstigem Gelb, atmosphärischem Blaugrün und Schwarz. 

Die Kölner Ausstellung trägt den Titel Moments und will bewusst machten, dass Lawrence Carroll seine Werke und Werkgruppen als Ausdruck eines entscheidenden Augenblickes versteht, den er festzuhalten versuchte: „Ich bin an der Unmöglichkeit einen Augenblick festzuhalten seit langem interessiert. Dass ich mit diesem Versuch nicht alleine stehe, ist mir bewusst. Die einfachen Dinge, die mich interessieren, sind fast immer außer meiner Reichweite. Was einfach beginnt, offenbart sich im Laufe der Zeit als außerordentlich vielschichtig. Ein endloses Labyrinth…“. Lawrence Carroll macht deutlich, dass er seine Werke erst während des Arbeitsprozesses entwickelt: „Der Vorgang des Malens beinhaltet diese unvorhersehbaren Augenblicke und das ist es, was sie für mich bleiben müssen: unvorhersehbar. Es mag Gewohnheit in vielen Teilen meines Lebens geben und im Atelier, aber nicht dann, wenn ich male“. Durch seine poetische und auf menschlicher Erfahrung beruhenden Ausdruckweise verwandelt er die einfachsten Materialien in wirkungsvolle Metaphern der Vergänglichkeit. 

1954 als Sohn australisch-irischer Eltern in Melbourne geboren, wuchs Lawrence Carroll in Kalifornien auf. Er studierte in den 1970er Jahren am Art Center College of Design in Pasadena, Kalifornien; später zog er nach Los Angeles und New York. Dank Harald Szeemann, der ihn für die Ausstellung Einleuchten im Jahr 1989 in die Deichtorhallen in Hamburg einlud, wurde Lawrence Carroll Ende der achtziger Jahre auch in Deutschland bekannt. Wasser – eine Metapher des ständigem Wandel unterworfenen Lebens – war erstmals wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit I hear the ice melting, die 1992 auf der documenta IX in Kassel gezeigt wurde. Er war 2013 an der 55. Biennale von Venedig beteiligt, indem er (neben zwei weiteren Künstlern) für die Gestaltung des Vatikan-Pavillons eingeladen wurde. Lawrence Carroll verstarb im Mai 2019 in Köln.

Das vom Künstler bevorzugte Element Wasser war auch eine Inspirationsquelle der in Köln ausgestellten Arbeiten. Durch das Zeichnen von Wasser mit geschlossenen Augen lernte der Künstler Bewegungen des Wassers mit dem inneren Auge zu beobachten, sodass seine Zeichnungen Widerspiegelungen einer Gedächtnislandschaft sind, die sich auf mentale Bilder bezieht. Aus dieser Abstraktionsmethode resultieren die Black Mirror Paintings: Eine schwarz bemalte Oberfläche aus Wachs und Holz wurde poliert und mit einem Skalpell wieder zerkratzt, um zarte, aber unabänderliche Spuren zu hinterlassen. Der Rahmen ist scheinbar zerbrochen und kann nicht länger die Grenzen des Gemäldes definieren. Die Oberflächen der Grotte Paintings durchzieht eine dunstige Atmosphäre, die wie eine unberechenbare dunstige Stimmung über dem Ozean in blauen Pastelltönen changiert. In den nuancenreichen monochromen White Oval Paintings sieht Lawrence Carroll einen dunstig verhangenen Himmel mit menschlichen Zügen, der Regen in Tränen verwandelt. Auf der opaken ovalen Bildfläche, die rings umschlossen wird von einem unbehandelten, zersplitterten Rahmen, vergießen quellende Wolken unaufhörlich Tränen in einen erstarrten Wasserfall. Die Wahrnehmung bleibt schemenhaft, das Werk ist etwas Transitorisches, eine Metapher der Vergänglichkeit. 

 

 
 
 
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