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Loïc le Groumellec

GALERIE KARSTEN GREVE KÖLN

Loïc Le Groumellec, Ecriture, 2019, Gouache auf Papier, 23 x 37 cm /  9 1/16 x 14 9/16 in

"PEREGRINATIO"
25. Oktober 2019 - 04. Januar 2020
Vernissage am Freitag, 25. Oktober, 18 - 20.00 Uhr
in Anwesenheit des Künstlers
 
Die Galerie Karsten Greve freut sich, zum fünften Mal innerhalb von zwanzig Jahren eine Einzelausstellung mit Werken des französischen Künstlers Loïc Le Groumellec, den die Galerie seit 1989 vertritt und in Ausstellungen präsentiert, zu zeigen. Ausgestellt werden etwa dreißig Arbeiten aus der Werkreihe Écritures, an der er seit 2015 arbeitet, darunter neue, nie zuvor öffentlich präsentierte Objekte aus dem Atelier des Künstlers. Ölgemälde und Gouachen auf Papier treten in einen Dialog mit sechs Chapelles/Reposoirs, den Holzobjekten, die seine Werke, etwa die Écritures, umschließen wie ein Heiligtum. So schafft er eine Mise en Scène, die von der Ahnung einer geheimnisvollen esoterischen Präsenz durchdrungen ist.

Der 1957 in Vannes (Bretagne) geborene Loïc Le Groumellec schloss sein Studium 1980 an der École de Beaux-Arts in Rennes ab. Von Anfang an wandte er sich von der figurativen Arbeit ab: ein damals sehr populärer Trend bei den jungen französischen Künstlern seiner Generation, die sich von weniger bedeutenden Subkulturen wie den Comics begeistern ließen, während andere mit Mischformen aus Pop-Ikonografie und einem expressionistischen Malstil experimentierten. Loïc Le Groumellec entschied sich jedoch dafür, seine Darstellungen und Farbpalette auf ein Minimum zu reduzieren und damit zum Ursprung des bildnerischen Schaffens zurückzukehren. Er entdeckte in der Bretagne archäologische Stätten aus dem Neolithikum und ist noch immer von der formalen Einfachheit ihres Aufbaus und dem ihnen anhaftenden Mysterium fasziniert. Vor allem die Menhir-Reihen von Carnac sowie die kaum zu entschlüsselnden ornamentalen Ritzungen auf dem Cairn von Gavrinis im Golf von Morbihan sind zu Hauptquellen seiner Inspiration geworden. Arbeiten von Loïc Le Groumellec befinden sich in bedeutenden Privatsammlungen sowie in der Sammlung des CAPC (Centre d’Arts Plastiques Contemporains) im Musée d’Art Contemporain in Bordeaux, im Musée des Beaux-Arts in Rennes und im Musée d’Art Moderne de la Ville in Paris. Seine Werke wurden von zahlreichen wichtigen internationalen Institutionen gezeigt. Der Künstler lebt und arbeitet in Paris.

Durch die Be- und Überarbeitung ein und desselben Motivs – was aber nie zweimal zu demselben Gemälde führt – erforscht der Künstler die verschiedensten Möglichkeiten und unendlichen Variationen, um zur Essenz der Form zu gelangen. In der Werkreihe der Écritures taucht als Konzept immer wieder die Spur auf: Rätselhafte konzentrische Bögen erscheinen vor einem braunen Hintergrund, der dank der lasierend auf die Leinwand aufgebrachten Farbschichten von Leuchtkraft erfüllt ist. Diese Zeichen, die ihren Ursprung stets in der Bildwelt der Bretagne haben, spiegeln die Wandgravuren der megalithischen Bestattungskammer auf der Insel Gavrinis wider, deren Zweck die Archäologen noch nicht entschlüsselt haben: Sind es dekorative oder sprachliche Zeichen? Für uns bleiben sie nicht kodifizierte Schriften, eine reine Form ohne Bedeutung. So transportiert Loïc Le Groumellecs Werk das Verhältnis zwischen Schöpfung und Absenz. Die Bildwelt, auf die es sich bezieht, besteht aus Rätseln und Leere. Der Menhir ist ein ursprüngliches Konstrukt, dessen Zweck wir nicht verstehen, und die in die bretonischen Cairns eingeschriebenen Zeichen sind Spuren einer Sprache, die ihren Code verloren hat.

Ein großes Geheimnis durchdringt also Loïc Le Groumellecs Werk. Die Präsenz der massiven Figuren in der Werkreihe der Mégalithes sowie die hypnotische Intensität der neuen Formen in den Écritures verleihen beiden eine besondere Spiritualität. Letztere kommt noch deutlicher in den Chapelles/Reposoirs zum Tragen. Wie eine ephemere Ädikula rahmen und beschirmen diese Holzstrukturen die Écritures. Ähnliche Ädikulen wurden beispielsweise von den einfachen Menschen auf dem Land zum Schutz der Heiligenstatuen gebaut, die sie in der Troménie de Saint Ronan (einer der ältesten religiösen Prozessionen in Frankreich, die jedes Jahr in Locronan in der Bretagne stattfindet) mitführen. Loïc Le Groumellecs ausgeprägte Beschäftigung mit Fragen der Volkstradition und sein Versuch, sowohl ihren abstrakten als auch ihren ideellen Wert neu zu beleben, rücken seine Vorgehensweise in die Nähe derer von Constantin Brâncuşi, der bei seiner künstlerischen Arbeit ebenfalls auf Symbole zurückgreift, die der rumänischen Volkskunst entlehnt sind. Loïc Le Groumellec wendet sich der archetypischen, konkaven Form der Höhle oder Hütte zu. Gemeinhin verbunden mit dem Wunsch, etwas Kostbares zu schützen, erinnert diese an eine Auffassung von Heiligkeit und Spiritualität, die in vielen Kulturen der Welt verbreitet ist. In seinem Werk lassen die Chapelles/Reposoirs nicht nur das Bild als Objekt selbst heilig erscheinen, sondern sie erheben auch den Akt der Malerei zu einem Symbol künstlerischen Schaffens. Diese Gefäßformen und ihr Bezug zur Pilgerreise werden zu Metaphern des Weges, den der Künstler auf der Suche nach der eigentlichen Essenz seiner Kunst zurücklegt.

Begleitend zur Ausstellung erscheint der reich bebilderte Katalog Loïc Le Groumellec «Les Reposoirs de la procession» mit Texten von Gérard Sourd, Philippe Le Guillou und Mikaël Lugan. EUR 35,00.
 

 
 
 
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