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Lucia Laguna

GALERIE KARSTEN GREVE KÖLN

Lucia Laguna, Paisagem no.90, 2016, Acryl und Öl auf Leinwand, 160 x 160 x 4,5 cm
 
"Paisagem"
22. Februar - 6. April 2019
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.
 
Die Galerie Karsten Greve Köln freut sich sehr, der brasilianischen Künstlerin Lucia Laguna (geb. 1941) zum ersten Mal eine Einzelausstellung in Deutschland zu widmen. Gezeigt werden rund 20 Gemälde und Collagen aus den letzten Jahren.
Lucia Laguna begann ihre künstlerische Laufbahn nach einem Kunststudium (1995 – 2011) an der Escola de Artes Visuais do Parque Lage in Rio de Janeiro, wo Charles Watson ihr Mentor war. Das Cândido Mendes Cultural Centre in Rio de Janeiro widmete ihr 1998 die erste Einzelausstellung in Brasilien, wodurch ihre Arbeiten rasch viel Aufmerksamkeit auf sich zogen. Ihre Teilnahme an der 30. Biennale von São Paolo 2012 bedeutete eine entscheidende Wendung in ihrer Künstlerkarriere. In Brasilien gilt Laguna heute als Star unter den zeitgenössischen lateinamerikanischen Künstlern und ihre Werke sind mittlerweile im Besitz der bedeutendsten öffentlichen Sammlungen ihres Landes.
Lagunas Gemälde und Collagen lassen uns eintauchen in die üppige Vegetation Brasiliens mit Blick auf die enorme Pflanzen- und Blumenvielfalt in kräftigen leuchtenden Farben und Grünschattierungen, die eine tropische Atmosphäre schaffen. Der Künstlerin gelingt es den ganzen Facettenreichtum ihrer unmittelbaren Umgebung und ihrer eigenen inneren Bilderwelt festzuhalten. Meisterhafte Gegenüberstellungen von gleichzeitig organisch und geometrisch erscheinenden Formen erwecken den Eindruck anhaltender Bewegung und stetiger Veränderung. Ihre Kompositionen sind wie Palimpseste aus visuellen Eindrücken, teils verdichtet, teils zerlegt in Fragmente von unterschiedlichsten Gegenständen und Szenerien, sogar figürliche und abstrakte Malstile werden vermischt und gehen ineinander über. Lagunas Gemälde wirken teils expressiv und voller Energie, teils leicht und frei fließend, zumeist scheinen sie durchflutet von atmosphärischem Licht. In einer Serie von Gemälden und Collagen – Landschaft (Paisagem), Garten (Jardim) und Atelier (Estúdio) – prallen Innen- und Außenraumansichten aufeinander. Zum einen arbeitet die Künstlerin mit einem Patchwork aus Straßenmotiven, wildwuchernden Grünflächen und Architekturfragmenten, die sie durch das Fenster ihres Ateliers in Rio de Janeiro beobachten kann. Andererseits verfügt sie in ihrem Atelier über ein Konvolut an Schnappschüssen von ihrem dschungelartigen Garten, von Ansichten Rio de Janeiros und Abbildungen von Meisterwerken der Kunstgeschichte. Weitere Inspirationsquellen bilden die an eine Pinnwand gehefteten Notizzettel und Zeitungsausschnitte, ferner Bücher und Kataloge, die stapelweise auf Tischen und Bänken abgelegt sind, sowie andere verschiedene dekorative Objekte in ihrer Werkstatt.
Im Ergebnis sind Lagunas Werke das Resultat einer dialektischen Beziehung zwischen ihrer eigenen künstlerischen Vorstellungs- und Bilderwelt und derjenigen anderer Künstler. In lebendigem Austausch mit einer Vielzahl von Kunststudenten Rio de Janeiros lässt sie in Acryl und anderen Techniken beliebige Bildmotive und Farben auf die Leinwand bringen. Ihr Atelier verwandelt sich dabei in eine Werkstatt: Die Künstlerin diskutiert mit ihren Studenten am Anfang des Arbeitsprozesses die Themenkreise und lässt sie über Wochen an einer Leinwand arbeiten. Inspiriert von den Bildfragmenten ihrer Studenten bringt sich Laguna dann mehr und mehr selbst ein und führt das Werk schließlich in der letzten Schicht ganz alleine zur Vollendung. Unter Verwendung von selbstklebendem Kreppband unterteilt sie das Bild in Flächen, Linien und Winkel, um diese im Übermalungsprozess zu erhalten und zu einem späteren Zeitpunkt wieder sichtbar zu machen. Die finale Ölmalschicht der Künstlerin liegt also auf mehreren vorangegangenen Acrylmalschichten; das Werk wird dabei mehrmals gedreht, wodurch neue Bildzusammenhänge und unerwartete Perspektiven entstehen. Lagunas Arbeiten verlangen bewusste Wahrnehmung, um einzelne Bildpartien in ihrem jeweiligen Kontext zu lesen. Im Gegensatz zum Konzept der Kubisten beabsichtigt Laguna keine Synthese des Bildgegenstands. Sie misstraut dem Wunsch nach Synthese in der Erkenntnis, dass die Gegenwart außerordentlich wandelbar ist und beherrscht wird von einer unaufhaltsamen Bilderflut, vom raschen Tempo des modernen Großstadtlebens und der sich stetig durchsetzenden Natur.

 
 
 
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