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Sally Mann

Sally Mann, Deep South #17, 1998,Gelatin silver enlargement print, toned with tea, 94,6 x 119,4
Sally Mann, Deep South #17, 1998,Gelatin silver enlargement print, toned with tea, 94,6 x 119,4
GALERIE KARSTEN GREVE KÖLN

Sally Mann
17. Januar 2020 - 14. März 2020
Die Galerie Karsten Greve freut sich, zum Auftakt des Jahresprogramms 2020 eine Einzelausstellung mit Werken der US-amerikanischen Fotografin Sally Mann in Köln zu präsentieren. Gezeigt werden mehr als dreißig Vintage-Abzüge der Bildfolge Deep South aus den späten 1990er Jahren und der Serie Battlefields, historische Schlacht- und Kriegsschauplätze des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861 – 1865), entstanden in den Jahren 2000 bis 2001.

Sally Mann, 1951 in Lexington (Virginia) als Tochter eines Landarztes geboren, wächst gemeinsam mit ihren Geschwistern nach eigenen Aussagen „halb wild“ auf. 1975, nach Abschluss ihres Studiums in Literaturwissenschaft und Creative Writing (MA) beginnt Sally Mann ihre nunmehr fünfundvierzigjährige Laufbahn als Fotografin. Obwohl sie in den achtziger Jahren unter anderem ein Guggenheim-Stipendium erhält, ist sie bis 1992 wenig bekannt. Mit Veröffentlichung der Fotoserie The Immediate Family, in der ihre eigenen Kinder nackt gezeigt werden, gerät Sally Mann 1992 wegen angeblicher Kinderpornografie in die Kritik der amerikanischen Rechten; mit Aufkommen der „Political Correctness“ wird sie auch von dezidiert linken Kreisen scharf kritisiert. Dennoch erzielt Sally Mann mehrfache Auszeichnungen, etwa 1995 den „Photographer of the Year“ Award (Friends of Photography); 2001 zählt sie zu „America’s Best Photographers“ (Time Magazine). Ihre Arbeiten werden regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert; sie gehören zum Bestand bedeutender öffentlicher Sammlungen in den USA, darunter das Metropolitan Museum of Modern Art in New York, das Whitney Museum of American Art in New York, das San Francisco Museum of Modern Art und das Smithsonian Institute in Washington D.C.

Während Landschaftsaufnahmen der laufend nummerierten Bildfolge Deep South den heimtückisch-stillen Dschungel in Louisiana und Mississippi wiedergeben, vermittelt die Bildfolge über den Amerikanischen Bürgerkrieg unter dem Titel Battlefields karge, auf den Boden fokussierte Gegenden mit schmalem Horizont, der dem düsteren, zumeist von Wolken verhangenen Himmel nur wenig Raum gibt. Auf den Landschaftsfotografien sind Bäume oftmals „Alleindarsteller“; diese eindrucksvollen, hochaufragenden Bäume repräsentieren für Sally Mann die Zeugen einer vergangenen Zeit: „Ich sehe in den Bäumen schweigende Zeugen all jener Geschehnisse, die sich auf dem armen, unglücklichen Boden meiner Südstaatenheimat abgespielt haben…in der Tiefe ihrer hölzernen Seelen bergen sie sicherlich Erinnerungen an Menschen, deren Leben sich mit dem ihren überschnitt als sie noch junge Bäume waren.“ Die natürliche wird zur historischen Landschaft, die Anschauung vermischt sich mit Erinnerung, die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit werden undeutlich. Aus den romantischen Landschaften des amerikanischen Südens werden die Kriegsschauplätze des Bürgerkriegs wie Antietam, Manassas, Chancellorsville, Appomattox, Fredericksburg und schließlich Wilderness, das allgemeine Wildnisgebiet. Die lyrisch-nostalgische Stimmung auf den dunklen, nahezu schwarzen Landschaftsfotografien gilt den Erinnerungen an die Generation des amerikanischen Bürgerkriegs, an die erlittenen Verluste und an die wechselhafte Geschichte einer Landschaft.

Der Eindruck des Lyrisch-Nostalgischen wird zusätzlich verstärkt durch die speziellen fotografischen Techniken, die Sally Mann anwendet. Von Beginn an arbeitet sie analog und schwarzweiß im Großformat, vor allem mit alten Glasplattenkameras, wie sie schon im 19. Jahrhundert im erstmals 1850/1851 entwickelten Kollodium-Nassplattenverfahren verwendet wurden: Eine sorgfältig geputzte Glasplatte wird mit einer Lösung aus Kollodiumwolle und Iod- und Bromsalzen in Ethanol und Ether übergossen. Der zu einer gallertartigen Masse eingetrocknete Überzug wird in der Dunkelkammer in einer Silbernitratlösung gebadet. Dabei wandeln sich die Iodsalze in Silberiodid und Silberbromid um, die in der Kollodiumschicht fein verteilt sind. Die so präparierte Platte wird aus dem Silberbad herausgenommen und noch feucht von anhaftender Silberlösung in einer lichtdichten Kassette in die Kamera gebracht. Die Platte muss in der Kamera innerhalb weniger Minuten belichtet werden, solange sie noch nass ist. Anschließend wird sie in der Dunkelkammer mit einer Eisensulfatlösung übergossen. Diese schlägt auf der an der Platte suspendierten Silbernitratlösung sofort metallisches Silber als dunkles Pulver nieder. Die Bildwirkung dieser sogenannten Ambrotypie basiert auf einer knapp belichteten und entwickelten Kollodiumschicht auf Glas. Im Glasnegativ erscheinen die hellen Teile des Originals dunkel und die dunklen Teile des Originals hell. Hinterlegt man das weißliche Glasnegativ mit schwarzem Papier oder Samt, erhält es so seine positive Bildwirkung. Die von Sally Mann eigenhändig vergrößerten und mit Tee getönten Vintage-Abzüge auf Silbergelatine-Papier werden aufwendig bearbeitet und mit einem speziellen Firnis überzogen, der neben Kieselgur auch Erde von den Schlachtfeldern enthält und ihren Fotografien eine samtige und sensible Oberfläche verleiht. Auf den geheimnisvollen Landschaftsbildern entfalten sich die Möglichkeiten des Kollodium-Nassplattenverfahrens in beeindruckender und unverwechselbarer Weise. Unschärfen, Überbelichtungen oder Verfärbungen und Kratzer unterstreichen den subtilen, traumhaften Charakter dieser Fotografien.
 
Vernissage am Freitag, 17. Januar 2020, 18 – 20 Uhr

 

 

 
 
 
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