Kathleen Jacobs / Young-Jae Lee

Galerie Karsten Greve AG St. Moritz
Montag - Freitag 10 – 13 Uhr / 14 – 18.30 Uhr
Samstag 10 - 13 Uhr / 14 - 18 Uhr
Vernissage
am Samstag, 3. Oktober 2026, 17–19 Uhr
Mit Kathleen Jacobs und Young-Jae Lee bringt die Galerie Karsten Greve zwei künstlerische Positionen zusammen, deren Werke eine besondere Nähe zueinander erkennen lassen. Jacobs’ Malerei und Lees Keramik entfalten einen Dialog über Natur und Form, über Zeit, Berührung und Verwandlung. Die rhythmische Gliederung ihrer Oberflächen und das Wechselspiel von Verdichtung und offenem Raum verbinden die beiden Œuvres über die Grenzen ihrer Medien hinweg.
Beide Künstlerinnen vereint ein tiefes Verständnis für Material und Form mit einer bewussten Offenheit für das Unvorhersehbare. Natur wird zur Mitgestalterin: Ihre Strukturen und Kräfte wirken unmittelbar am Werk mit. Künstlerische Souveränität äussert sich dabei auch im Gespür dafür, wann es einzugreifen und wann es geschehen zu lassen gilt.
Kathleen Jacobs entwickelt an der Schnittstelle von Abdruck, malerischer Geste und Abstraktion eine eigenständige Bildsprache, geprägt von ihrer Beschäftigung mit chinesischer Malerei und Kalligrafie sowie japanischen Holzschnitttechniken. Auf Leinen, das sie um Baumstämme spannt, überlagern sich über Monate, mitunter Jahre, Abreibungen, Farbaufträge und Witterungsspuren. Mit der Drehung der vertikal aufgenommenen Rindenstruktur in die Horizontale und ihrer malerischen Bearbeitung entstehen vielschichtige Bildräume. Erinnerungen an Landschaft und Ferne werden wach, ohne sich zu einem bestimmbaren Motiv zu schliessen. Zeit erhält eine sichtbare Gestalt; die Spuren des Baumes öffnen sich zu atmosphärischer Weite. In dieser Zusammenarbeit mit der Natur klingt auch Jacobs’ Auseinandersetzung mit dem Taoismus an.
Young-Jae Lee zählt zu den herausragenden Meisterinnen zeitgenössischer Keramik. Ihr Werk verbindet koreanische Gefässtraditionen mit dem Formbewusstsein der europäischen Moderne. Ihre Spindelvasen entstehen aus separat gedrehten Schalenformen, deren Verbindung als feine Naht sichtbar bleibt. Das Verhältnis von Einheit und Zweiheit, angeregt durch Goethes Gedicht «Gingo biloba», findet darin plastischen Ausdruck. Die ergänzend gezeigten Kummen entfalten innerhalb ihrer schlichten Grundform einen reichen Kosmos feinster Unterschiede in Proportion, Kontur und Glasur.
Nach dem ersten Brand werden die Gefässe mit Glasuren aus natürlichen mineralischen Bestandteilen versehen. Erst im zweiten Brand gewinnen diese ihre endgültige Farbigkeit und stoffliche Tiefe. Das Zusammenwirken von Ton, Glasur und Hitze bringt Nuancen hervor, die sich auch mit grösster Erfahrung nicht vollständig vorausbestimmen lassen. Jede Arbeit verbindet präzise Gestaltung mit der Einmaligkeit ihrer Entstehung.
Die atmosphärische Weite der Bilder lässt die gesammelte Körperlichkeit der Gefässe hervortreten; deren stille Präsenz schärft den Blick für die bewegten Tiefen der Malerei. Die Spuren der Rinde antworten auf die Zeichnungen der Glasur. Aus dieser Verschiedenheit erwächst ein gemeinsamer Rhythmus – eine Poesie des Werdens, in der Form und Verwandlung einander bedingen.
In den goldenen Herbstwochen des Engadins lädt die Ausstellung dazu ein, die Begegnung mit der Landschaft in der Kunst fortzusetzen. Zwischen Malerei und Keramik öffnet sich ein Raum, in dem der Blick verweilt – und die Natur auf andere Weise gegenwärtig wird.

