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Sally Mann:

Installationsansicht Sally Mann, Galerie Karsten Greve Paris, 2021. Photo: Nicolas Brasseur
Installationsansicht Sally Mann, Galerie Karsten Greve Paris, 2021. Photo: Nicolas Brasseur
28.08.21 - 30.10.21

Galerie Karsten Greve Paris - Côté rue

Dienstag - Samstag, 10 Uhr - 19 Uhr

Vernissage
am Samstag, den 28. August, von 18 bis 20 Uhr

Die Galerie Karsten Greve freut sich, in Paris eine neue Ausstellung zu präsentieren, die dem Werk der amerikanischen Fotografin Sally Mann gewidmet ist. Nach dem Erfolg ihrer großen Retrospektive Sally Mann: Mille et un passages im Jeu de Paume im Jahr 2019 bietet diese Ausstellung die Gelegenheit, zwei ikonische Serien der Künstlerin neu zu entdecken: Deep South und Battlefields.

Schon in jungen Jahren begann Sally Mann in und um Lexington, Virginia, wo sie geboren wurde und noch immer lebt, mit der Fotografie. Seit den späten 1970er Jahren durchstreift sie die weiten Landschaften ihrer unmittelbaren Umgebung, wobei die Natur in ihren Schnappschüssen eine dominierende Rolle spielt. 1996 entdeckt sie den Nachbarstaat Virginia und reist weiter in den tiefen Süden. Was zunächst als Erkundung dieser faszinierenden Landschaften gedacht war, entwickelte sich zu einer Suche nach Erinnerungen und einer Konfrontation mit den Geistern der Vergangenheit.

"Da mein Ort und seine Geschichte vorgegeben waren, blieb mir nur, diese Metaphern zu finden, verschlüsselte, halb vergessene Hinweise in der südlichen Landschaft." So ist Sally Mann an ihre Recherchen herangegangen. Auf den ersten Blick erscheinen die Bilder der Serie Deep South als friedliche und leuchtende Landschaften, die zwischen Traum und Wirklichkeit balancieren. Sie sind eine Kontemplation der üppigen Natur, die die Schönheit der Außenbereiche des Südens der Vereinigten Staaten hervorhebt; sie sind aber auch eine Exhumierung einer traumatisierenden und erschütternden Vergangenheit. Von der dichten Vegetation (Deep South #17) bis zu malerischen Quellen (Deep South #13) gibt es nichts, was den Betrachter auf das beklemmende Gefühl des Grauens vorbereiten könnte, das bestimmte Werke vermitteln.

Installationsansicht Sally Mann, Galerie Karsten Greve Paris, 2021. Photo: Nicolas Brasseur
Installationsansicht Sally Mann, Galerie Karsten Greve Paris, 2021. Photo: Nicolas Brasseur
Installationsansicht Sally Mann, Galerie Karsten Greve Paris, 2021. Photo: Nicolas Brasseur
Installationsansicht Sally Mann, Galerie Karsten Greve Paris, 2021. Photo: Nicolas Brasseur

Vor allem eine Geschichte hat sich Sally Mann schon in jungen Jahren eingeprägt: der brutale Mord an Emmett Till, einem vierzehnjährigen afroamerikanischen Jungen im Jahr 1955. Deep South #34 (Emmett Till River Bank) ist als "visuelle Pilgerreise" gedacht und wurde an der Stelle aufgenommen, an der seine Leiche aus dem Tallahatchie River in Mississippi gefischt wurde. Wie eine unebene Narbe im Boden ist der Fluss seicht, fast stagnierend, umgeben von felsigem, mit Gras bewachsenem Boden; die grandiose Vegetation der anderen Schnappschüsse der Serie ist nirgends zu sehen. Der Ort, der fotografiert wurde, ist der Schauplatz eines realen und identifizierbaren Todes; die Trivialität des Flusses steht im Widerspruch zur Schwere des Ereignisses.

Auch wenn Deep South auf den ersten Blick als Zufluchtsort, als sicherer Hafen erscheint, kann dieser Eindruck ein unterschwelliges Gefühl von Gewalt und Tod nicht unterdrücken. Battlefields geht dem noch weiter nach.

Diese Serie ist Teil von Sally Manns kontinuierlichen Recherchen über die Geschichte ihres Heimatlandes und zeigt das blutige Erbe des Bürgerkriegs (1861-1865) auf. Durch eine Reihe düsterer Landschaften evozieren die Bilder die Düsternis der Ära der Sklaverei, der Armut, der Ungerechtigkeit, des Rassismus und des Leidens. Die Bilder sind eine Manifestation des Grauens, das an den Orten stagniert, an denen die Schlachten des Bürgerkriegs stattgefunden haben - Mann nennt sie "Body Farms". Ausschließlich in dunklen Grau- und Schwarztönen gehalten, zeichnet Battlefields die Schritte der Künstlerin an den verschiedenen Orten nach, an denen sie auf die Überreste der Gebeine verlorener Soldaten stieß, und ruft mit ihrer Fotografie deren Erinnerung wach. Mann fotografierte so nah wie möglich am Boden, wobei der Himmel fast aus ihren Kompositionen verschwand (Antietam #14 und Chancellorsville #9), ein Blickwinkel, der die letzten Momente der gefallenen Soldaten auf diesem Boden nachahmt. In anderen Aufnahmen (Friedericksburg #22) werden die Bäume und der Himmel zu bedrohlich und feindselig mystischen Umrissen, die durch ein durchscheinendes Licht definiert werden. Dennoch zeigt Sally Mann, dass auch im Tod die Schönheit präsent bleibt und von der Natur geschätzt wird, wobei die Bäume zu den letzten Zeugen werden.

Installationsansicht Sally Mann, Galerie Karsten Greve Paris, 2021. Photo: Nicolas Brasseur
Installationsansicht Sally Mann, Galerie Karsten Greve Paris, 2021. Photo: Nicolas Brasseur
Installationsansicht Sally Mann, Galerie Karsten Greve Paris, 2021. Photo: Nicolas Brasseur
Installationsansicht Sally Mann, Galerie Karsten Greve Paris, 2021. Photo: Nicolas Brasseur

“Living in the South (…) both nourishes and wounds. To identify a person as a Southerner suggests not only that her history is inescapable and formative but that it is also impossibly present. Southerners live uneasily at the nexus between myth and reality, watching the mishmash amalgam of sorrow, humility, honour, graciousness, and renegade defiance play out against a backdrop of profligate physical beauty.”

Um die einzigartige Atmosphäre des Südens bestmöglich festzuhalten, begann Sally Mann in den 1990er Jahren mit einer alten fotografischen Technik, die im neunzehnten Jahrhundert entwickelt wurde, dem Kollodiumnassverfahren. Bei diesem Verfahren wird eine Glasplatte mit einer dichten chemischen Substanz und einer lichtempfindlichen Lösung auf Silbernitratbasis beschichtet. Sie benutzt eine mobile Dunkelkammer im Format 8 x 10, die sie selbst gebaut hat, da die verwendeten chemischen Reagenzien eine sofortige Handhabung in der Dunkelheit erfordern. Für Sally Mann haucht diese veraltete Praxis ihren Werken einen historischen Akzent ein und verleiht ihnen eine malerische Dimension; sie ermöglicht es ihr auch, näher an ihren Bildern zu sein und eine intime Verbindung zwischen sich und dem Medium herzustellen, während sie sich von den unvorhersehbaren Ergebnissen überraschen ließ. Sally Mann bearbeitet ihre vergrößerten Abzüge mal mit einem Farbstoff auf Teebasis, mal mit Kieselgur und Erde von den abgebildeten Schlachtfeldern, was der Oberfläche eine samtige Firnis verleiht. Die mehrere Minuten lange Belichtungszeit und die Verwendung eines alten Objektivs, das die Künstlerin neuen Geräten vorzog, führten zu unvorhersehbaren Unvollkommenheiten und Lichtschwankungen, die bestimmte Bilder an die Grenzen der Sichtbarkeit bringen (Antietam #18). Abgesehen von der einzigartigen Plastizität, die diese von Mann geschätzte alte Technik den Bildern verlieh, ermöglichte sie es ihr, die Bilder aus der strikt zeitgenössischen Welt zu lösen und sie in einen zeitlosen Raum zu bringen. In diesen Landschaftsansichten entfaltet das nasse Kollodiumnegativ auf Glas sein ganzes Potenzial: Unschärfen, Überbelichtungen, Verfärbungen und venöse Spuren sublimieren die traumhafte Qualität der Bilder und zeigen das Fortbestehen der Vergangenheit in der Gegenwart.

Pressemitteilung (Englisch)

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