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Herbert List: ITALIA

Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
13.11.20 - 20.02.21

Galerie Karsten Greve Paris

Dienstag - Samstag 10 - 19 Uhr

Vernissage
am Freitag, 13. November 2020, 14 - 19 Uhr
verlängert bis 20. Februar 2021

Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur

Das Werk Herbert Lists (1903 in Hamburg - 1975 in München) steht in der Tradition der 1930er Jahre und verbindet die formale Strenge des Bauhauses mit dem Zauber surrealistischer Inspiration. Oft als "Fotograf der Stille" bezeichnet, waren antike Ruinen, Körperdarstellungen sowie Orte und Landschaften zentrale Inspirationsquellen für Lists Werk. Das zerstörte München 1945, die Inseln der Ägäis und die dortigen Spuren der Antike, Städte wie Rom und Neapel, in denen Herbert List ab den 1950er Jahren das alltägliche Leben auf Film festhielt. Italien entdeckte List bereits zu Beginn der 1930er Jahre, woraus eine besondere Beziehung entstehen sollte.

Klassische Kunst und Architektur sowie die griechische Mythologie waren Themen, die List lange vor seiner Entdeckung der Fotografie 1930 begeisterten. 1936 verließ er das nationalsozialistische Deutschland und reiste nach London, Paris und Athen. Er war fasziniert von der Schönheit des mediterranen Lichts und seiner Kontraste, die er unersättlich fotografisch erkundete. Der Schatten, mehr noch als das Licht, erhielt in seiner Arbeit zentrale Bedeutung. Herbert List unterzig Gegenstände und Menschen einer Verwandlung, indem er seine ihm ganz eigenen Rätsel schuf, so zum Beispiel in The Shadow of David, Florence, Italy, 1934, oder Rolf Düring in front of Roman Bust, Rome, Italy, 1949. Geometrisierte Körper, Schatten und Reflexionen wurden zum Gegenstand von Formexperimenten, und die Verwendung der Doppelbelichtung schuf neue Räume, jeder für sich eine Art zeitloser magischer Traum, der für die Surrealisten so wichtig war.

Nach und nach wandte sich Herbert List einer spontaneren Art der Fotografie zu, deren Ausgangspunkt die Serie View from a Window aus dem Jahr 1953 war. Nachdem er sich am Fuß verletzt hatte, schloss er sich in der Wohnung seines Freundes Max Scheler, einem Fotografenkollegen, in der Via della Lungarina 65 in Rom, im Stadtteil Trastevere, ein. Er lieh sich eine Leica Kleinbildkamera und ließ sich am Fenster nieder, um Szenen aus dem Leben, beeinflusst von Henri Cartier-Bresson, den er bei Magnum Photos kennen gelernt hatte, und dem Neorealismus des italienischen Kinos festzuhalten. Übrigens arbeitete er noch im selben Jahr an der Seite des Regisseurs Vittorio De Sica an dem Film Stazione Termini und traf den Schriftsteller und Filmregisseur Pier Paolo Pasolini, dessen Schriften eine starke Resonanz auf seine Fotografien hatten. Diese Aufnahmen aus dem Rom der 1950er Jahre halten Momente fest, die List als "entscheidend" bezeichnete. Stillleben wichen Kinderspielen und surrealistische Landschaften verschwanden zugunsten des Trompe-l'oeils der Stadt.

In den folgenden Jahren interessierte sich Herbert List zunehmend für die Fotoreportage. In den Jahren 1950 und 1951 ging er für ein Projekt über die Casa Verdi nach Mailand, dann nach Palermo, um eine Serie über die Katakomben des Kapuzinerklosters zu produzieren. Anschließend fotografierte er die manieristischen Gärten von Bomarzo im Palazzo Orsini und brutale Thunfischfang-Szenen auf der kleinen Insel Favignana in Sizilien. Den Höhepunkt dieser dokumentarischen Arbeit erreichte er Ende der 1950er Jahre, als er durch die Straßen Neapels schlenderte, wo Vittorio De Sica bei einem weiteren Film, Das Jüngste Gericht, Regie führte. Er fotografierte jeden, der seine Aufmerksamkeit erregte, und De Sica interviewte die Personen. Das Ergebnis war Napoli, ein 1962 veröffentlichtes Buchpublikation. Die Bilder Lists vermitteln die lebhafte, verwirrende Atmosphäre der Stadt. Das Buch bietet einen fast kinematographischen Korpus von Bildern, die die Grenze zwischen künstlerischer Fotografie und Dokumentarfotografie auflöst.

Als eklektische Mischung aus Orten, Menschen und Inszenierungen sind Herbert Lists Fotografien in Italien somit gleichzeitig ein Mosaik aus Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Leben.

 

Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
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Installationsansicht, Herbert List ITALIA, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
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Pressemitteilung (englisch)

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