Gideon Rubin: there are ways out.

Galerie Karsten Greve AG, St. Moritz
Montag - Samstag 10 – 13 Uhr / 14 – 18.30 Uhr
Vernissage
am Samstag, den 14. Februar 2026, 17 - 19 Uhr
in Anwesenheit des Künstlers
Mit there are ways out. präsentiert die Galerie Karsten Greve in St. Moritz eine neue Werkgruppe von Gideon Rubin, die eigens für diese Ausstellung entstanden ist. Der Titel entstammt Charles Bukowskis Gedicht The Laughing Heart und wirkt wie eine poetische Setzung: eine leise Erinnerung daran, dass selbst in Zeiten der Unruhe Möglichkeiten des Innehaltens, des Sehens und des Weiterdenkens bestehen.
Rubins Malerei bewegt sich in einer feinen Spannung zwischen Präsenz und Entzug, zwischen Erinnerung und Imagination. Seine Bilder sind keine abgeschlossenen Erzählungen, sondern offene Bildräume, in denen Bedeutung nicht behauptet wird, sondern sich im Akt des Betrachtens allmählich formt. In dieser kuratorisch gedachten Offenheit liegt eine philosophische Qualität: Das Entscheidende zeigt sich nicht im vollständig Ausformulierten, sondern im Angedeuteten — im Raum, den das Bild dem Betrachter überlässt.
In Rubins Bildern liegt eine besondere Sensibilität der Setzung – es genügen wenige malerische Gesten, um eine ganze Atmosphäre entstehen zu lassen. Seine Sujets sind oft nicht komplex, und doch wecken sie unmittelbar Emotionen. Gerade in der Reduktion entsteht Intensität: Das, was Rubin bewusst offenlässt, gibt dem Betrachter die Möglichkeit, das Bild auf persönliche Weise zu vollenden.
Ein Beispiel dafür bietet das Motiv der Ausstellung, Snow Hut (2025): Auf den ersten Blick entfaltet sich eine stille Schneelandschaft, eine kleine Hütte, das feine Licht- und Schattenspiel auf dem Dach, das der Szene Lebendigkeit verleiht. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man die zarten Spuren im Schnee – ein Detail, das die Vorstellung in Bewegung setzt und unwillkürlich ein Lächeln hervorruft. Wie in seinen Porträts entsteht Bedeutung gerade durch das Unausgesprochene.
Rubins Interesse gilt dem Menschen – seinen Geschichten und den Spuren von Erinnerung, die sich durch Zeit und persönliche Lebensgeschichte ziehen. Eine der besonderen Stärken seiner Praxis liegt in der Fähigkeit, thematisch konzentrierte Werkgruppen zu entwickeln, die zu ihren jeweiligen Orten in eine echte Beziehung treten – weniger als Ausstellungsszenografie denn als Dialog. Im Freud Museum in London reagierte Black Book (2018) auf die aufgeladene Atmosphäre von Freuds ehemaligem Wohnhaus und dessen Exilgeschichten und verhandelte Fragen kollektiver Erinnerung sowie medial vermittelter Bilder. Ebenso verortete Living Memory (2023) in der All Saints Chapel in London – kuratiert von Beth Greenacre, im Zusammenspiel mit Werken von Louise Bourgeois und begleitet von einer Sound-Intervention von Nicolas Godin (AIR) – Rubins Arbeiten in einem kontemplativen architektonischen Raum und verdichtete damit Themen wie Temporalität, Intimität und inneres Nachklingen.
In einer Welt, die zunehmend als instabil erlebt wird, kann Kunst ein Anker sein. Louise Bourgeois schrieb: „Art is a guaranty of sanity.“ Rubins Malerei gibt dieser Idee eine leise, aber eindringliche Form: Sie erinnert an die kleinen Gesten und Schönheiten, die das Leben reich machen.
there are ways out. ist damit auch ein stilles Plädoyer für Hoffnung. Die Ausstellung lädt dazu ein, mit offenem Blick und freiem Geist innezuhalten und sich dem Schönen zuzuwenden — den kleinen Freuden, den Spuren von Licht, die sich oft erst beim zweiten Hinsehen zeigen.
