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Louise Bourgeois:

Louise Bourgeois, Fountain Couple, 1999. © The Easton Foundation, New York. Photo: Christopher Burke, New York
Louise Bourgeois, Fountain Couple, 1999. © The Easton Foundation, New York. Photo: Christopher Burke, New York
10.04.21 - 21.08.21

Galerie Karsten Greve Paris

Dienstag - Samstag, 10 - 18 Uhr

 

Bis auf Weiteres nur nach Terminvereinbarung

Die Ausstellung wird verlängert bis zum 21. August 2021.

Die Galerie Karsten Greve freut sich, dem Werk von Louise Bourgeois (1911 Paris - 2010 New York) eine neue Einzelausstellung in Paris zu widmen. Mit einer Auswahl von über 30 Hauptwerken, die zwischen 1946 und 2007 entstanden sind, würdigt die Ausstellung eine der bemerkenswertesten Bildhauerinnen der Geschichte der zeitgenössischen Kunst und spiegelt die mehr als dreißig Jahre andauernde  Zusammenarbeit der Künstlerin mit Karsten Greve wider.

Louise Bourgeois ist vielleicht jene Künstlerin, die für Ihr Werk am meisten aus ihren persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen schöpfte. Für Bourgeois war die Kunst eine Form von Therapie. Sie verlieh ihren Emotionen Gestalt und entwickelte ein Geflecht von wiederkehrenden Motiven, das sich durch ihre Skulpturen, Zeichnungen, Druckgraphiken und Malereien zieht.

Zwischen 1938, dem Jahr ihrer Ankunft in New York, und 1949 fertigte Bourgeois eine begrenzte Anzahl von Gemälden und eröffnete 1945 ihre erste Einzelausstellung in der Bertha Schaefer Gallery mit zwölf Malereien, die oft mit ihrer Ankunft in den Vereinigten Staaten und ihrer Beziehung zu Frankreich in Verbindung gebracht werden. In der Folge entwickelte sich ihre Malerei zu einer sehr persönlichen Art der Figuration, in der surrealistische Einflüsse deutlich werden. New Orleans, aus dem Jahr 1946 ist hierfür ein perfektes Beispiel. Dargestellt ist eine weibliche Figur im Profil: ein Selbstporträt der Künstlerin, die einen Strauß Olivenzweige hält. Sie ist einem Tisch zugewandt, auf dem Motive zu sehen sind, die in ihrem gesamten Werk immer wiederkehren: Spiralen, Scheren, die Spinne, Blätter... Darüber hinaus ist die allgemeine Verwendung von intensivem Blau ein Statement der Positivität, denn für Louise Bourgeois symbolisierte die Farbe Freiheit und Trost.

Diese Entwurzelung und ihre Ankunft in den Vereinigten Staaten sollte sie sowohl in Skulpturen als auch in Gemälden verarbeiten, in ihrer ersten Serie, die sie "Personnages" nannte. Zu dieser Zeit empfand Louise Bourgeois eine tiefe Nostalgie für Frankreich und die Verwandten und Freunde, die sie verlassen musste. Zwischen 1945 und 1955 entwarf sie eine Serie von mehr als achtzig Skulpturen aus Holz oder Bronze, die sie auf dem Dach ihres Hauses, umgeben von Wolkenkratzern, aufstellte. Diese prekär ausbalancierten, schlanken Figuren spiegelten die sie umgebende Vertikalität ebenso wider wie das Vokabular der Moderne, in Anlehnung an die Formen eines Brancusi oder eines Giacometti. Jedes Totem der "Familie" hat seine eigene Form, seine eigene Individualität. Durch sie entwickelte Louise Bourgeois wichtige Themen, die in ihrer gesamten künstlerischen Produktion wiederkehren, wie zum Beispiel das Thema der Mutterschaft in Woman with a Secret (1947), einem der ersten Auftritte des Frau/Mutter-Motivs. Mehrere dieser "Personnages" verschmelzen auch Figuren und architektonische Formen, wie ihr Portrait de Jean Louis (1947 - 1949). In diesem Fall wendet Louise Bourgeois die Ikonografie der Femme-Maison auf ihren 1940 geborenen Sohn an.

Der untere Teil der Skulptur ist anthropomorph, mit zwei klar umrissenen Beinen, während der obere Teil architektonisch anmutet und an die New Yorker Wolkenkratzer erinnert, die sie so faszinierten.
Ende der 1990er Jahre griff Louise Bourgeois diese Totems mit textilen Versionen wieder auf, bei denen die Vertikalität durch das Aufschichten von genähten Stoffblöcken erzeugt wurde. In Ohne Titel (Calme Toi) (2000) und Ohne Titel (2002) kombinieren diese "Kissen" geometrische Motive und einfarbige Stoffe zu einer instabilen Konstruktion, der jeden Moment in sich zusammenzufallen scheint. Diese Verwendung von Stoffen war für Louise Bourgeois eine Möglichkeit, ihre eigene Vergangenheit zu rekonstruieren.

Während ihrer gesamten Karriere experimentierte Louise Bourgeois mit verschiedenen Materialien für ihre Skulpturen. Für ihre Totems arbeitete sie in den 1960er Jahren mit Holz, Stoff, Bronze sowie Gips und Latex. Ihre Marmorarbeiten sind eine Hommage an die Barockskulptur des 17. Jahrhunderts und insbesondere an den italienischen Bildhauer Gian Lorenzo Bernini. Baroque (1970), das 1982 in ihrer ersten Retrospektive im MoMA Museum of Modern Art ausgestellt wurde, kann als Metamorphose und zeitgenössische Neuadaption der berühmten Skulptur Apollo und Daphne interpretiert werden. In den 1990er Jahren schuf Louise Bourgeois eine Reihe von Arbeiten aus Aluminium. Die Reflexionsfähigkeit des Materials ermöglicht es, den Betrachter mit der Botschaft der Künstlerin zu konfrontieren und ihn zum Akteur seiner eigenen Psychologie werden zu lassen, wie in The Mirror (1998) und den Wandreliefs Toi et Moi I und Toi et Moi II (1997), deren monumentale Kurven sich wellenförmig über die Wand ziehen. Beide Reliefs wirken als komplementäre Motive, bei denen die konkave Rundung der Wölbungen des einen das Gegenstück zu den Kanten der konvexen Reliefs des anderen ist. Diese perfekte, aber instabile Geometrie drückt die ganze Mehrdeutigkeit der Beziehungen aus, die für die Künstlerin sowohl eine Quelle der Beunruhigung als auch eine Notwendigkeit waren. Die Variante dieses Themas war das Motiv in Couple, das Louise Bourgeois erst ab den 1990er Jahren in der Skulptur aufgriff. In dieser Aluminiumversion von 2003 verband sie eine figurative Darstellung des menschlichen Körpers mit einem abstrakten Spiralmotiv. Spiralen symbolisieren Komplementarität und schaffen gleichzeitig Distanz. Das Paar schwebt in der Luft, dreht sich um sich selbst in einem Zustand der Ambivalenz und ewigen Fragilität, eingefroren für die Ewigkeit in einer Beinahe-Umarmung.
Das Spiralmotiv, das im Werk von Louise Bourgeois grundlegend ist, kehrt in The Fountain Couple (1999) wieder. Sie wählte hier die Darstellung der Dualität und Komplementarität von Paaren durch diese beiden Brunnen, die aus konzentrischen Kreisen bestehen und wie eine Höhle (Lair) aufgebaut sind. Die Unendlichkeit dieser Motive - die sie in ihrer Jugend mit den Drehungen zum Spülen von Stoffen im Fluss assoziierte - suggeriert das Fließen von lebensspendender Flüssigkeit. In diesem Fall konzipierte Louise Bourgeois das Paar als Zufluchtsort, als schöpferische Einheit.

Neben der Skulptur war die Zeichnung das wichtigste Ausdrucksmittel für Louise Bourgeois. Indem sie ihre visuellen Gedanken mitten im Flug ergriff und wie in einem geheimen Tagebuch festhielt, waren ihre Pensées-plumes eine Möglichkeit, ihre Ängste zu vertreiben. Figurative Zeichnungen waren für sie ein Weg, negative Erinnerungen zu äußern und sich davon zu befreien, während abstrakte Zeichnungen einem tiefen Bedürfnis nach Frieden entsprangen. Die letzten Jahre von Louise Bourgeois' Karriere waren geprägt von einer Rückkehr zum Thema Mutterschaft (Femme - 2007). Sie stellte Schwangerschaft, Geburt und Stillen in Gouache dar, wobei sie ein intensives, mit expressiver Kraft aufgeladenes Rot verwendete. Rot steht sowohl für Blut als auch für Leben, Leidenschaft und Liebe. Gleichzeitig einfach und poetisch, schmerzhaft und beruhigend, rufen diese Bilder überwältigende Erfahrungen in ihrem Leben als Frau und Künstlerin hervor.
Neben den Zeichnungen war die Herstellung von Graphiken (Stiche, Kaltnadelabzüge und illustrierte Bücher) ein wichtiger Teil des Oeuvres von Louise Bourgeois. Das 1998 entstandene Werk Topiary (The Art of Improving Nature) thematisiert die Kunst des Baumschnitts und die Regenerationskraft von Pflanzen nach einem Trauma als Metapher für persönliche Themen. Mit Anatomy (1990) gab sie den Auswirkungen von psychischem Schmerz auf den menschlichen Körper Gestalt.

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Künstler

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