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Louis Soutter: Fingermalerei 1937-1942

Louis Soutter, Statures d'Olympe, 1937-1942
Louis Soutter, Statures d'Olympe, 1937-1942
27.06.26 - 26.09.26

Galerie Karsten Greve AG, St. Moritz

Dienstag - Freitag 10 – 13 Uhr / 14 – 18 Uhr

Samstag 10 - 13 Uhr / 14 - 17 Uhr

27. Juni - 26. September 2026

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Texten von Julie Borgeaud und Peter Sloterdijk.

Galerie Karsten Greve präsentiert in St. Moritz die Ausstellung Louis Soutter. Fingermalerei 1937–1942. Die Präsentation widmet sich jener Werkgruppe, die heute als Höhepunkt seines Schaffens gilt und zu den eindringlichsten sowie eigenständigsten Bildschöpfungen des 20. Jahrhunderts zählt. Entstanden in den letzten Lebensjahren des Künstlers, markieren diese Arbeiten einen aussergewöhnlichen Moment künstlerischer Verdichtung und Freiheit.

Louis Soutter nimmt innerhalb der Kunst seiner Zeit eine einzigartige Stellung ein. Sein Werk entzieht sich bis heute jeder eindeutigen Zuordnung. Es steht im Dialog mit den Errungenschaften der Moderne und wurde zugleich zu einer wichtigen Inspirationsquelle für Jean Dubuffet und die Entstehung des Art-Brut-Denkens. Dennoch bleibt Soutter eine singuläre Erscheinung – zu eigenständig, um sich einer kunsthistorischen Kategorie vollständig unterzuordnen.
Louis Soutter war eine aussergewöhnliche schöpferische Persönlichkeit – Musiker, Zeichner und intellektueller Suchender zugleich. Sein Werk entstand aus einer seltenen Verbindung von kultureller Bildung, spirituellem Interesse und künstlerischer Unabhängigkeit. Religion, Mythen, Rituale und die grossen Fragen menschlicher Existenz begleiten sein Schaffen ebenso wie die Erfahrung von Einsamkeit und Verletzlichkeit. Gerade aus dieser Spannung heraus entwickelte Soutter eine Bildsprache von aussergewöhnlicher Intensität.

Die zwischen 1937 und 1942 entstandenen Arbeiten wirken heute ebenso radikal wie zum Zeitpunkt ihrer Entstehung. Mit den Fingern direkt auf das Papier aufgetragen, lösen sich die Figuren zunehmend von jeder äusseren Beschreibung. Sie erscheinen als Zeichen, Schatten, Tänzer, Heilige oder archaische Gestalten und entziehen sich zugleich jeder festen Lesart. Ihre Kraft liegt nicht im Erzählerischen, sondern in einer unmittelbaren Präsenz, die sich jeder Erklärung entzieht.
In diesen Werken verdichtet sich ein ganzes Leben. Die Disziplin des Musikers, die Sensibilität des Zeichners und die Neugier des Suchenden fliessen hier zusammen. Rhythmus wird Form, Bewegung wird Bild. Die Figuren scheinen aus einer tiefen Erinnerung hervorzutreten und zugleich von überraschender Gegenwärtigkeit zu sein. Archaisch und modern, fragil und monumental zugleich, eröffnen sie einen Bildraum, in dem sich persönliche Erfahrung und universelle Menschlichkeit begegnen.

Gerade diese aussergewöhnliche Freiheit macht die anhaltende Aktualität von Soutters Werk aus. Seine Bilder geben keine Antworten, sie eröffnen Möglichkeiten. Sie bewegen sich zwischen Sichtbarkeit und Geheimnis, zwischen innerer Erfahrung und kollektiver Erinnerung. In ihrer Reduktion entfalten sie eine erstaunliche emotionale und geistige Kraft.
Die Ausstellung lädt dazu ein, Louis Soutter neu zu entdecken: als eine der eigenständigsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, deren Werk bis heute nichts von seiner Rätselhaftigkeit, Intensität und menschlichen Tiefe verloren hat.

Louis Soutter wurde 1871 in Morges geboren und verstarb 1942 in Ballaigues.
 

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