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Lucio Fontana: Ceramics

Installationsansicht, Galerie Karsten Greve Köln, 2020 Foto: Christopher Clem Franken
Installationsansicht, Galerie Karsten Greve Köln, 2020 Foto: Christopher Clem Franken
18.11.20 - 26.02.21

Galerie Karsten Greve Köln

Dienstag - Freitag 10 - 18.30 Uhr

Samstag 10 - 18 Uhr

 

Vernissage 
am Mittwoch, 18. November 2020,10 - 18.30 Uhr
verlängert bis zum 20. Februar 2021

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© Nicolas Brasseur und Galerie Karsten Greve

"Io sono uno scultore e non un ceramista."

Lucio Fontana: La mia ceramica, in: Tempo, Mailand, 21. September 1939

Die Galerie Karsten Greve freut sich, in Köln eine Einzelausstellung mit Keramiken und Arbeiten auf Papier von Lucio Fontana zu präsentieren. Seit 1977 repräsentiert und präsentiert die Galerie Karsten Greve den italienischen Künstler, der sich sein Leben lang mit Skulptur und der Suche nach einer neuen Dimension befasste, in umfassenden Ausstellungen und vier Katalogpublikationen.
Mit LUCIO FONTANA Ceramics eröffnet die achte Einzelausstellung des Künstlers am Galeriestandort Köln. Gezeigt werden im Kontext seines avantgardistischen Œuvres rund vierzig Exponate, darunter figürliche keramische Skulpturen und sogenannte Concetti spaziali (dt. Raumkonzeptionen) sowie die als Ambienti spaziali (dt. Raumatmosphären) betitelten Arbeiten auf Papier.

Installationsansicht, Galerie Karsten Greve Köln, 2020 Foto: Christopher Clem Franken
Installationsansicht, Galerie Karsten Greve Köln, 2020 Foto: Christopher Clem Franken
Installationsansicht, Galerie Karsten Greve Köln, 2020 Foto: Christopher Clem Franken

In der frühen Schaffensphase Lucio Fontanas, während seiner Aufenthalte in den berühmten Keramikwerkstätten in Albisola 1934 und 1936, entstanden erstaunliche, von Naturformen inspirierte Skulpturen wie Coccodrillo (Krokodil) und die eher amorphen Arbeiten Conchiglia e Polpo (Muschel und Oktopus)oder Farfalla e Conchiglia (Schmetterling und Muschel). Mit Glasurfarben bemalte Keramiken dominieren in seinem Werk ab 1936. Bei einem Aufenthalt 1937 in der Porzellanmanufaktur von Sèvres bei Paris entstanden Köpfe, Figuren, Tiergestalten und Stillleben, die sich durch eine expressive Dynamik, einen Schmelz der Oberfläche und schillernde Farbgebung auszeichnen. In die Reihe der polychromen Keramikskulpturen, die Lucio Fontana in diesem Zeitraum schuf, gehören die in ihrer tänzerischen Bewegungsdarstellung sich fast auflösenden Terrakottaskulpturen Arlecchino und Colombina – zwei populäre Gestalten der italienischen Commedia dell’arte.
 

Geboren 1899 in Rosario, Provinz Santa Fe, Argentinien als Sohn italienischer Einwanderer, verbrachte Lucio Fontana die ersten Jahre seines Lebens in Mailand, wo er ab 1914 eine Bauwerksschule besuchte. 1922 kehrte er nach Argentinien zurück, arbeitete dort zwei Jahre in der Werkstatt seines Vaters, der Bildhauer war, und bezog anschließend ein eigenes Atelier. Ende der 1920er Jahre kehrte er nach Italien zurück, um an der Accademia di Brera zwei Jahre bei dem Bildhauer Adolfo Wildt zu studieren. Ab 1939 lebte er wieder in Argentinien und ließ sich 1940 in Buenos Aires nieder, wo er seine Lehrtätigkeit an der Kunstschule Altamira aufnahm. Dort erarbeitete er das Manifiesto Blanco, in dem er die Synthese der Künste und die Abkehr von herkömmlichen Materialien forderte. Stattdessen propagierte er die Dimensionen Zeit und Bewegung im Raum. 1947 kehrte er nach Mailand zurück, gründete die Künstlergruppe „Movimento spaziale“, veröffentlichte zwei Manifeste des Spazialismo und etablierte sich zu einem der bedeutendsten Avantgardekünstler der ersten Nachkriegsgeneration. Er verstarb 1968 in Comabbio (Varese).
 

Installationsansicht, Galerie Karsten Greve Köln, 2020 Foto: Christopher Clem Franken

Nach der Rückkehr Lucio Fontanas 1947 nach Italien entstanden Arbeiten, die dem neuen, in seiner theoretischen Abhandlung Manifiesto Blanco vorformulierten Raumverständnis entsprachen. Von nun an begann er damit, seinen Arbeiten den Titel Concetto Spaziale zu geben. Die Aneignung des Raumes mit expressiv-dynamischer Geste lässt sich in der aufstrebenden Bewegung von Figuren in der Werkgruppe der Crocifissi (Kruzifixe) und Crocifissioni (Kreuzigungen) nachvollziehen. In dem Aufwallen des drapierten Lendenschurzes Christi und den ausladenden Gewandfalten bearbeitete der Künstler den Ton zugunsten einer räumlichen Ausdehnung in barocker Manier. Diese keramischen Arbeiten faszinieren insbesondere dadurch, dass sie Lucio Fontanas neues Raumkonzept auf sinnliche Weise erfahrbar werden lassen.
 

Seit den 1930er Jahren werden Lucio Fontanas Arbeiten regelmäßig in internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert etwa auf der XXIV. Biennale in Venedig (1948), der documenta II (1959) und documenta IV (1968), im Centre Georges Pompidou, Paris (1987), im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien (1996/97), in der Hayward Gallery, London (1999/2000), im Metropolitan Museum of Art, New York (2019), in der Galleria Borghese, Rom (2019), oder im Museum of Modern Art, Moskau (2019/20). Seine Werke gehören zum Bestand bedeutender öffentlicher Sammlungen, darunter The Art Institiute of Chicago, das Museum Ludwig in Köln, die Tate Modern, London, die Pinakothek der Moderne in München, das Museum of Modern Art, New York, oder The National Museum of Modern Art, Tokio.

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