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Louis Soutter: Un Présage

Installationsansicht, Louis Soutter. Un Présage, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Photo: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Louis Soutter. Un Présage, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
29.10.20 - 12.10.20

Galerie Karsten Greve Paris

Dienstag - Samstag 10 - 19 Uhr

Vernissage
am Dienstag, 29. August 2020, 14 - 19 Uhr

Julie Borgeaud über Louis Soutter. Un Présage

© Nicolas Brasseur und Galerie Karsten Greve

1871 in Morges bei Lausanne geboren, begann Louis Soutter – neben anfänglichem Ingenieurs- und Architekturstudium – ein Violinstudium bei Eugène Ysaye in Brüssel, dem berühmtesten Violinisten seiner Zeit. Durch den Kreis des belgischen Musikers wurde Louis Soutter mit Malern wie James Ensor, Fernand Khnopff und Félicien Rops bekannt, sodass er sich bald selbst der Zeichnung und Malerei zuwandte. Nach einem Aufenthalt in Colorodo Springs (USA), wohin er mit seiner Frau Magde Fursman übergesiedelt war, kehrte Louis Soutter 1903 in die Schweiz zurück. Er trat auf als Violinist im Orchestre du Théâtre de Genève, später in den Orchestern von Kurthotels etwa in St. Moritz, Luzern und Gstaad, außerdem war er musikalischer Begleiter von Stummfilmen. Aus Verzweiflung über den ungeordneten Lebenswandel ließen ihn seine Verwandten 1923 entmündigen und in das Altersheim Ballaigues (Waadt) einweisen. Dort lebte Louis Soutter unglücklich neunzehn Jahre lang. Gefangen im Heim entwickelte er dank seiner vielseitigen Begabung einen geradezu zwanghaften künstlerischen Produktionsdrang.

Zu Louis Soutters Lebzeiten wußte nur ein elitärer Intellektuellen-Zirkel sein künstlerisches Werk zu schätzen. Vor allem sein Cousin, der Architekt Le Corbusier, war fest entschlossen, ihn zu fördern und vermittelte eine erste Einzelausstellung 1936 im Wadsworth Atheneum, Hartford (Connecticut), USA; es folgten weltweit zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen; Louis Soutters Werke gehören zum Bestand internationaler privater und öffentlicher Sammlungen, darunter das Aargauer Kunsthaus, Aarau, das Kunstmuseum Basel, das Musée Cantonal des Beaux-Arts, Lausanne, die Collection abcd, Montreuil, und das Museum of Modern Art, New York.

Das OEuvre Louis Soutters seit 1923 lässt sich in drei Phasen unterteilen: Zwischen 1923 und 1930 zeichnete er pausenlos in Schulhefte; es entstanden blattfüllende ornamentale und pflanzliche Strukturen in Feder und Bleistift, außerdem fertigte er ausdrucksvolle Kopien nach Altmeisterwerken; von 1930 bis 1936 produzierte er manieristische Blätter mit fratzenhaften Frauenköpfen, Visionen der Hölle und Buchillustrationen zu Werken der Weltliteratur. In seinem Spätwerk ab 1936 wandte sich Louis Soutter der synthetischeren Technik der Fingermalerei zu. Als vorausahnender Beobachter visualisierte er Gewalt, Verbrechen, Tod und Leiden der Menschen seiner Zeit. Unter Verwendung seiner eigenen Finger malte er zumeist in schwarzer Tusche und Öl direkt auf die unterschiedlichsten verfügbaren Papiersorten. Bis zu seinem Tod im Jahr 1942 schuf er einen Bildzyklus, in dem wild gestikulierende, taumelnde oder tanzende, nahezu skelettierte schwarze Silhouetten vor einem hellen Bildgrund auftreten. In Louis Soutters Fingermalereien etwa in Tanagras (1938) oder Crépuscule du gangster (1937–1942) erinnern die schwarzen Silhouetten mit ihren übergroßen Händen und fratzenhaften Gesichtszügen an Szenen der zeitgenössischen Stummfilme und Scherenschnitt-Trickfilme. Unter Künstlern, die sich im 20. Jahrhundert konsequent und über einen längeren Zeitraum hinweg mit der Fingermalerei beschäftigten, ist Louis Soutter singulär. An seinen Arbeiten fasziniert die unmittelbare ausdrucksstarke Mitteilungskraft der schwarzen Schattengestalten, die wie in filmischen Visionen auf einem leeren Papiergrund plötzlich leibhaftige Gestalt annehmen.

Installationsansicht, Louis Soutter. Un Présage, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Louis Soutter. Un Présage, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Louis Soutter. Un Présage, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Louis Soutter. Un Présage, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
Installationsansicht, Louis Soutter. Un Présage, Galerie Karsten Greve Paris, 2020. Foto: Nicolas Brasseur
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